Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Maren Seliger: KPÖ-Firmen und Osthandel 1945-1989. Rahmenbedingungen und einige Aspekte der Außenhandelspraxis

Maren Seliger nicht mehr kontrollierbar, er wurde von der Parteiführung von dieser führenden Position abgezogen und anderweitig eingesetzt.30 Das Startkapital schien also durch der KPÖ verbundene Privatpersonen aufgebracht worden zu sein,31 auch Bankkredite wurden in Anspruch genommen. Das wichtigste Gründungskapital war offensichtlich das besondere Know-how der KP-Firmen im Osthandel: Der Zugang zu den Handelspartnern im Osten und die Fähigkeit, zwischen diesen und den westlichen Firmen zu vermitteln. Eine Vermittlerfunktion, für die auf beiden Seiten ein offensichtlicher Bedarf vorlag. 3.4. Träger der Osthandelsgeschäfte der KPÖ Bis zum Jahr 1955 gab es vermutlich bereits ein bis zwei Dutzend Firmen,32 die der KPÖ zugerechnet wurden und personell sowie kapitalmäßig eng verflochten zu sein schienen. Dies blieb auch in der Folge im Auf und Ab von Firmenneugründungen und Firmenliquidierungen ein besonderes Kennzeichen der „verdeckt“ arbeitenden KP-Handelsfirmen. Nach Schätzungen bewegte sich die Anzahl der Firmen zwischen 30 und 100, wobei sich letztere Angabe auf die Phase der Osthandelseuphorie Anfang der 70er Jahre bezieht. Noch Ende der 80er Jahre wird von rund 50 Firmen gesprochen, die im Inland und im Ausland tätig wurden.33 Die enge Vernetzung der Firmen sollte - so ist zu vermuten - einerseits die Gruppe stärken und die Kontrolle durch die Partei erleichtern. Eine Analyse der Firmenkonstruktionen ist ebenso noch zu leisten wie überhaupt eine generelle Verifizierung der bisher ohne Quellenangaben publizierten Darstellungen über den so genannten KPÖ-Konzem.34 Die Autoren der Zeitschrift „trend“, Muzik und Schano, können für ihre Darstellung allerdings darauf verweisen, dass der damalige KPÖ-Vorsitzende Franz Muhri seine zunächst geäußerte Bemerkung, es sei alles von A bis Z erlogen, nach einer Klagedrohung der trend-Autoren wegen übler Nachrede mit Bedauern zurückziehen musste.35 Über die im Zeitablauf schwankende Zahl von KP-Firmen lassen sich auf Basis des derzeitigen Wissensstandes vorläufig folgende strukturelle Unterscheidungen treffen: 30 Augur: Die große Ebbe. Muzik - Schano: Das Wirtschaftsimperium der KPÖ, S. 70. M e i s e I : Die Mauer im Kopf, S. 75. 11 Vgl.Gröndahl, Immer für Österreich, S. 29. 32 Augur: Die große Ebbe. Muzik - Schano: Das Wirtschaftsimperium der KPÖ, S. 76. 33 Muzik. Peter: Die Strohmänner der KPÖ. In: trend Nr. 5/1987, S. 304-310, hier S. 304. 34 Ebenda, Muzik- Schano: Das Wirtschaftsimperium der KPÖ. Sager: Getarnte Firmen. 35 Muzik: Die Strohmänner der KPÖ, S. 310. 116

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