Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Rainer Leitner: Eisenbahn-Maschinenfabriken: Orte des Technologietransfers im 19. Jahrhundert

Eisenbahn-Maschinenfabriken: Orte des Technologietransfers im 19. Jahrhundert sehen Drehstrom-Bahnnetzes, hatte aber von Beginn an den Nachteil der physikalisch bedingten doppelten Fahrleitung in sich. Dies war die primäre Ursache, dass sich keine weitere Bahnverwaltung für dieses System entschied. Die Kenntnisse, die man durch den Betrieb der Valtellinabahn - und nicht zuletzt auch jener von Wollersdorf - ge­wonnen hat, haben entscheidend dazu beigetragen, dass sich in der Zwischenzeit ein neues Bahnstromsystem, nämlich das heute noch verwendete Wechselstromsystem, entwickeln und etablieren konnte. 4.9. Pionierleistungen und technologischer Transfer im Wechselstrom­bereich Als im Innsbrucker Raum die Elektrifizierung der steigungsreichen Stubaitalbahn in Planung stand, entschied man sich, den im Jahr 1902 von mehreren Erfindern fast gleichzeitig konstruierten Wechselstrommotor für den Bahnantrieb zu verwenden. Gemeinsam mit der AEG, die in Berlin eigene Versuche für dieses Projekt durchführte, gelang es dem leitenden Ingenieur Riehl zusammen mit Seefehlner, dem Direktor der AEG, erstmals in Europa das Projekt einer Wechselstrombahn zu realisieren; die 1904 eröffnete Bahn ins Stubaital steht nach wie vor in Betrieb.45 46 Beispielgebend für die Elektrifizierung späterer Überland-Bahnstrecken war die schmalspurige Mariazeller Bahn, welche St. Pölten mit Mariazell verbindet. Bedingt durch die Dampftraktion war die Leistungsfähigkeit der Strecke an ihr Ende gelangt; Abhilfe konnte nur mehr die Elektrifizierung schaffen. Auch hier entschied man sich für das Wechselstromsystem, im Unterschied zur Stubaitalbahn allerdings mit kleinerer Frequenz und höherer Spannung. Konstruktion und Bau der neuen Elektrolokomotiven der Reihe E oblag der Linzer Lokomotivfabrik Krauss, einer ausgewiesenen Spezialis­tin für Schmalspurfahrzeuge. Seit der Eröffnung der elektrifizierten Strecke (7. Okto­ber 1911) stehen diese Fahrzeuge nach wie vor in Betrieb! Die erste Normalspurbahn, bei der in Österreich die Wechselstromtechnik angewen­det wurde, war die Mittenwaldbahn. Sie führt von Innsbruck zur Landesgrenze bei Schamitz, auf bayrischem Gebiet nach Garmisch-Partenkirchen und schließlich wieder auf österreichischem Gebiet nach Reutte. Hier gelangten seit der Eröffnung der ersten Teilstrecke am 20. Oktober 1912 all jene elektrotechnischen Daten zur Anwendung, die 45 Siehe auch Jüllig - Ferstel: Bau und Betrieb elektrischer Bahnen, S. 415. 46 Vgl. Kraus: Alt-Österreichs elektrische Bahnen, S. 32 f. 303

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