Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Rainer Leitner: Eisenbahn-Maschinenfabriken: Orte des Technologietransfers im 19. Jahrhundert

Eisenbahn-Maschinenfabriken: Orte des Technologietransfers im 19. Jahrhundert gekuppelte Triebwagen von einer Plattform aus zu steuern.29 Schon allein dieser Um- stand bedeutete im Vergleich mit der Dampftraktion eine nicht zu unterschätzende Personaleinsparung. Die Triebwagen waren übrigens schon mit elektrischer Beleuch­tung und Heizung ausgerüstet und besaßen obendrein die Vorrichtung der elektrischen Bremse.'" Die Probleme, die beim Bau dieser Bahn in Erscheinung traten, machten eine sorgfältige Lösung und Erprobung unumgänglich. Nachdem der Betrieb im Oktober 1883 eröffnet worden war, erwies sich die Bahn auch unter strengen winterlichen Wit­terungsbedingungen als für den täglichen Betrieb geeignet. Obwohl sie ständig moder­nisiert wurde und das Fahrgastaufkommen im Jahr 1926 fast eine Million Fahrgäste erreichen konnte, erlebte die Brühler Bahn ihren Fünfzigsten Geburtstag nicht mehr. Mit 1. April 1932 wurde ihr Betrieb übereilt liquidiert. Ein Jahrzehnt nach der Eröffnung der Brühler Bahn folgte als zweite, nicht zeitlich begrenzte elektrische Eisenbahn auf dem Territorium des heutigen Österreich die Bahn von Baden nach Rauhenstein; etwas später nahm die Linie von Baden nach Vöslau ihren Betrieb auf. Im Nahbereich von Wien und an der Südbahn gelegen, wiesen beide Kurorte durch die leichte Erreichbarkeit einen hohen Beliebtheitsgrad auf, es mangelte jedoch an einer leistungsfähigen Verbindung zwischen beiden Orten. Das Projekt des Wiener Technikers Franz Fischer stieß auf allgemeine Anerkennung und „erlangte durch allerhöchste Konzessionsurkunde vom 29. Juli 1892 auch die staatliche Geneh­migung“.11 Als erster Ausbauschritt erfolgte die Elektrifizierung der ehemaligen Pfer­debahn Baden-Helenental-Rauhenstein (Streckenlänge rund 3,2 Kilometer), die Eröff­nung erfolgte am 16. Juli 1894 und die Eröffnung der ebenfalls normalspurigen Linie Baden-Vöslau fand am 22. Mai 1895 statt (Streckenlänge rund 5 Kilometer). Die Besit­zerin, die „Elektrizitäts-Aktiengesellschaft“, verkaufte beide Bahnen 1897 an die im Jahr 1888 gegründete „Actiengesellschaft der Wiener Lokalbahnen“. Die Einstellung der Strecke nach Rauhenstein erfolgte 1938, jener nach Vöslau 1951. * 10 11 29 Österreichische S iem ens-S c h uc ke rt - We rk e : 25 Jahre elektrischer Bahnbetrieb in Österreich-Ungarn. Wien 1908, S. 2. 10 Unter „elektrischer Bremse“ versteht man die Möglichkeit, den elektrischen Fahrmotor so zu schalten, dass er als Generator arbeitet - dies bewirkt wiederum eine rasche und verschleißfreie Bremsung. Der dabei anfallende „Bremsstrom“ wird entweder für Heizzwecke verwendet oder in Widerständen ver­nichtet. Zeitgemäße Elektrolokomotiven speisen den Bremsstrom über den Stromabnehmer zum Groß­teil in das Netz zurück. 11 Bühring, O.: Elektrische Straßenbahnen und Beleuchtungsanlagen in Baden bei Wien. In: Elektro­technische Zeitschrift 34 ( 1895), S. 514-531, hier S. 525. 297

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