Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

II. Die Wahrnehmungen von Raum / The perceptions of space - Peter Wilding: „…dass wir auf der Bahn des Fortschrittes und der Culturentwicklung gerade und vornehmlich durch die Eisenbahnen ganz ungeheuer rasch vorangeschritten sind…“ - Netzwerk Eisenbahn und Knotenpunkt Stadt

...dass wir auf der Bahn des Fortschrittes und der Culturentwicklung... gewachsen. Damit wurde der dringend notwendige Aufbau eines eigenen schnellen und leistungsfähigen städtischen Nahverkehrsnetzes (neben den anderen Infrastrukturinnovationen im Bereich der Städtetechnik) zum Schlüssel für die weitere Entwicklung und Modernisierung der Städte. Als sich die Verkehrsverhältnisse zwischen den Städten um die Jahrhundertmitte durch den Eisenbahnbau schon beschleunigten, bestimmten in den Städten noch Fußgänger und Pferde als Zug- und Reittiere das Bild. Ein Kompromiss wurde mit der Pferdebahn gefunden, der das industrielle Ensemble Rad-Schiene mit der vorindustriellen Zugkraft Pferd zu einem stadtgemäßen Transportmittel verband. Mit dem großen Durchbruch der Pferdeeisenbahnen in den 1870er Jahren war in allen Großstädten ein mehr oder weniger leistungsfähiges Personennahverkehrssystem entstanden.47 * Etwa dreißig Jahre nach den ersten Uberlandpferdebahnen waren innerstädtische Pferdebahnlinien entstanden, die seit den 1860er Jahren in den größeren Städten auf der Grundlage kommunaler Konzessionen an Privatgesellschaften betrieben wurden und meist den oder die Bahnhöfe mit dem Stadtzentrum und teilweise auch mit beliebten Ausflugsregionen an der Peripherie der Stadt verbanden. Die Schienengebundenheit der Pferdebahn (bzw. teilweise Dampfstraßenbahn) erzwang faktisch ihre Bevorzugung gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern, der regelmäßige Verkehr auf festgelegten Linien und nach Fahrplan legte erstmals ein Verkehrsnetz über die Stadt. Mit dem Ausbau des Liniennetzes und den wachsenden innerstädtischen Distanzen wurde die Pferdetramway, wie sie auch genannt wurde, immer stärker benutzt, gleichzeitig stieß sie aber bald an ihre Grenzen. Die Verkehrsrevolution in der Stadt begann seit den 1880er Jahren mit der elektrischen Straßenbahn. Seit Siemens 1879 auf der Berliner Industrie-Ausstellung eine elektrische Lokomotive präsentiert hatte, gab es zur Pferdebahn eine technologische Alternative.41' Mit ihr wurden (seit den 90er Jahren) in der wachsenden Zahl der aufsteigenden Großstädte die Voraussetzungen für ein funktionierendes Geräuscharmut und Wasserundurchlässigkeit - und somit gesteigerte Hygiene verband. B riesen: Stadt und Verkehr, S. 29. 47 Pferdebahnen gab es seit 1832 in New York, seit 1860 in London, seit 1865 in Berlin und in Wien und Graz seit 1878. 1880 waren in allen deutschen Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern (mit Ausnahme von Königsberg) mit einer Pferdeeisenbahn ausgestattet. Schwippe: Öffentlicher Personen-Nahverkehr, S. 164. 4K Die Dampftramways konnten sich innerstädtisch auf Grund der durch sie verursachten Luftverschmutzung und Lärmentwicklung nicht durchsetzen. 203

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