Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)
II. Die Wahrnehmungen von Raum / The perceptions of space - Gerhard Strohmeier: Eisenbahn und Raumwahrnehmung
Eisenbahn und Raumwahmehmung besetzt und „mit utopischer Energie“ aufgeladen.12 Die Eisenbahn geriet zu einem Landschaftselement, das man harmonisch in die populären Landschaftsbilder einfügte, die Landschaft bereichernd und modernisierend, eine Versöhnung von Natur, Kultur und Technik. Der Philosophendiskurs über die Wirkung der Eisenbahn war damit gesellschaftlich praktisch entschieden worden. In der Bildproduktion von Landschaften im 19. Jahrhundert wurde die Eisenbahn zum Symbol einer möglichen Versöhnung industrieller Entwicklung mit der romantischen Landschaft, wie beispielsweise am Semmering in Österreich (vgl. Abbildung 2). Abbildung 2: Alexander Kaiser, Viaduct bei Spiess, Lithographie nach einer Zeichnung von N. J. Chapuy, um 1854, Umschlagbild des Ausstellungskatalogs „Die Eroberung der Landschaft“, Wien 1992. Das Abteil: Der Innenraum der Eisenbahnreise Die Trennung der Schienenbahn von der Straße, die Konstituierung der neuen Straße durch radikale Reduzierung des Raums auf eine Funktion, hatte eine Entsprechung in der Trennung des Umraums des Reisenden von der Umgebung, der Separierung von Innenraum und Außenraum der Reise. Mit dem Eisenbahnabteil wurde ein Raum weiterentwickelt, der schon durch die Sänfte und dann durch die Kutsche als abgegrenzter Reiseraum für die Angehörigen 12 Ipsen Detlev: Raumbilder. Zum Verhältnis des ökonomischen und kulturellen Raumes. In: Informationen zur Raumentwicklung 11/12 ( 1986), S. 921-931, hier S. 926 f. 183