Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Neue Erkenntnisse bei der Beobachtung Anderer Kontingente: Die Tätigkeit des Hauptmanns Carl Wójcik

Bei der Verpflegung der Truppen während der Expedition und auf längerdauemden Märschen im Winter kam es bei verschiedenen Contingenten deutlich zum Ausdruck, dass insbesondere bei strenger Kälte die normale Kriegsverpflegsportion nicht mehr genügte. Bei jenen Truppentheilen, wo nur die vorgeschriebene Portion ausgegeben wurde, verspürte die Mannschaft oft Hunger und Kälte und kamen bei denselben öfter Verkühlungen vor, während bei anderen Abtheilungen, wo entsprechend den Ressourcen des Landes und der Menge der requirirerten Artikel die Verpflegsportion erhöht war, diese Erscheinungen in einem bedeutend geringeren Masse auftraten. Auch in der Leistungsfähigkeit der einzelnen Abtheilungen bei längerdauemden oder forcierten Märschen kam der Unterschied in der Verpflegung stark zum Vorschein.2347 Trainausrüstung Über die Trainausrüstungen der einzelnen Kontingente wurde wiederholt berichtet, da die Verfügbarkeit aureichender Transportkapazitäten von großer Bedeutung war. Das k. und k. Matrosen-Detachement hat einen durchwegs aus chinesischen Karren und Tragthieren organisierten Train. Dieser besteht aus 32 Karren und 15 Tragthieren hievon sind: 2 Karren für Geschützmunition, 15 Tragthiere für Gewehrmunition, 28 zweispännige Karren für Verpflegung und Bagage, 2 Sanitätskarren. Als Karren und Tragthierführer wurden chinesische Kulis verwendet. Als Trainaufsichtspersonal war 1 Officier, 2 Seecadetten und mehrere Matrosen bestimmt. Die verhältnismässig grosse Anzahl an Transportmitteln erschien geboten wegen der Möglichkeit grösserer Winter-Expeditionen und der Nothwendigkeit der Mitführung von Winterdecken und grösseren Reservevorräthen an Verpflegung. Mit Rücksicht auf die schwachen Colonnen, mit welchen die Expeditionen in der Regel durchgeführt wurden, waren die durch den grösseren Train verursachten verhältnismässig langen Traincolonnen nicht hindernd, umsoweniger, wo bei der grossen Passivität des Feindes für den Schutz dieser Traincolonnen keine besonderen Vorkehrungen nothwendig erschienen. Für den Sommer, wo die Mitführung von Decken entfällt, wird der Train bedeutend verringert. Für den Fall grösserer Unternehmungen in das Gebirgsland, wo die Karren schwer oder gar nicht fortkommen können, wurde dadurch vorgesorgt, dass mit einigen Ortschaften in der Gegend von Kau-li-ying [Gaoliying] (circa 30 km nordöstlich von Peking) die Vereinbarung getroffen wurde, dasselbe im Bedarfsfälle 30 Kamele und 40 andere Tragthiere binnen 24 Stunden nach der Anforderung leihweise gegen Entgelt beim k. u. k. Detachement in Peking bereitzustellen haben.2348 Generell funktionierte der Train des k. u. k. Detachements sehr gut und war auch bei Alarm-Übungen innerhalb kürzester Zeit marschbereit - doch man war ständig auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten und so wurden die anderen Kontingente genau beobachtet: Bei den Russen hat jede Kompagnie einen Küchenwagen oder fahrbaren Kochkessel, welche sich vorzüglich bewährt haben sollen, im Winter fast unentbehrlich. Die großen amerikanischen Wagen haben sich in der Ebene auf guten Wegen sehr gut bewähr, für Neue Erkenntnisse bei der Beobachtung anderer Kontingente ... KA, MS/OK 1901-X-14/2, No. 1 395, fol. 154', Einsichtsstück des RKM Präs. 3 356 b, Bericht des Hauptmannes Wöjcik über die Verpflegung der verschiedenen Truppencontingente in China [ohne Ort, ohne Datum]. 602

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