Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Neue Erkenntnisse bei der Beobachtung Anderer Kontingente: Die Tätigkeit des Hauptmanns Carl Wójcik

Georg Lehner - Monika Lehner Im Gefechte bei Liang-Lsiang [sic!] (südlich Beking [sic!]) einen Gegenangriff auf ein deutsches Seebataillon und trotz dem verheerenden Feuer der betroffenen deutschen Abtheilung, welche die meisten Boxer vernichtete, drang noch der Rest derselben stürmend und singend bis an die Bajonette der Deutschen und starb hier kämpfend bis auf den letzten Mann. Auch in den sonstigen Kämpfen mit den wirklichen Boxern wurde der Muth derselben hervorgehoben. Wenn die Boxer dabei keine Erfolge aufzuweisen hatten, so lag die Ursache davon nicht nur in der Tüchtigkeit der verbündeten Truppen, sondern auch in der Minderwerthigkeit der Bewaffnung der Boxer und dort wo letztere moderne Waffen hatten, fehlte ihnen in der Regel die hiefür nothwendige Ausbildung. An Muth fehlte es ihnen wie gesagt nicht. Schon wenn man das Unternehmen der zum Tode verurtheilten Boxer sieht, gewinnt man die Ueberzeugung, dass es diesen an Muth nicht gebricht. Sie stellten sich mit stolzer und trotziger Geberde [sic!] ruhig vor die Läufe der Gewehre hin und aus ihren Mienen scheint man noch zu lesen, dass sie das Bewusstsein haben für eine gute Sache zu sterben. Nachdem, soweit dies bekannt ist, die Agitationen der Boxer im Stillen eifrig fortgsetzt [sic!] werden, so erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass sich im Laufe der künftigen Jahre ihre Idee wenigstens insoweit verpflanzt, dass die Masse der Chinesen, welcher gegenwärtig noch eine wahre patriotische Begeisterung fehlen soll, mit der Zeit für diese Gefühle empfänglicher wird. Dadurch könnte auch der Werth des chinesischen Heeres bei etwas mehr Obsorge für dasselbe einen bedeutenden Aufschwung gewinnen. Es wird zwar die Wahrscheinlichkeit eines sehr schnellen Aufschwunges des chinesischen Hee[r]wesens von den meisten Chinakennem bestritten, doch wird andererseits die Wahrscheinlichkeit nicht negiert, da auf diesem Gebiete wesentlichere Fortschritte im raschem Tempo zu erwarten sind, als in den vergangenen Jahren.2332 In den Worten Wöjciks zeigt sich vor allem eines ganz deutlich: Die Unterscheidung zwischen Mandschuren und Chinesen [Han] - denn während den Chinesen große militärische Fähigkeiten zugebilligt werden, wird die Mandschu- Dynastie für den Niedergang verantwortlich gemacht. Beobachtungen bei anderen Kontingenten Hauptmann Wöjcik berichtete immer wieder über einzelne Aspekte der Ausbildung fremder Truppen oder über Besonderheiten der Ausrüstung2333, so unter anderem über die „Verwendung von berittener Infanterie“2334, zur Unterbringung2335 * 23 KA, MS/OK 1901 -X-14/1, No. 846, fol. 51v-56r, Bericht des Generalstabshauptmannes Wöjcik über chinesische Kampfesweise. 2333 Zur Beurteilung der Ausrüstung der Landungsdetachements vergl. das Kapitel .Adjustierung und Ausrüstung der Landungsdetachements“ bei Jung (2000), S. 11-21. Dazu auch: KA, MDP Res. 124 (1901), k. u. k. Landungs-Detachement an das k. u. k. Escadre-Commando in Ostasien (Peking, 18. April 1901), „Vorlage der Berichte über Organisation, Ausrüstung und Approvisionierung des k. u. k. Land. Detachement“. 2334 KA, MS/OK 1901 -X-14/2, No. 1 040, fol. 114, „Einsichtsstück des RKM Präs. 2 606 v. 29/4 01, Bericht des Hpts. Wöjcik über die Organisation u. die Verwendung von berittener Infanterie bei den internationalen Truppen in China.“. 2335 Ebenda, No. 1 385, fol. 152, „Einsichtsstück des RKM Präs. 3 356 v. 1/6 01, Bericht des Hpts. Wöjcik über die Unterkünfte der verschiedenen Truppencontingente in Petschili“. 599

Next

/
Thumbnails
Contents