Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Neue Erkenntnisse bei der Beobachtung Anderer Kontingente: Die Tätigkeit des Hauptmanns Carl Wójcik
,Fünf Punkten muss man immer die grösste Aufmerksamkeit zuwenden, wenn man Ruhm und Glück an seine Waffen fesseln will, dem practischen Thun zu Grunde liegt und z. B. gegenwärtig als Staatsconfucianismus alle Handlung des Einzelnen, wie der Regierung, wenigstens äusserlich, regelt:- dann dem Himmel, der Erde dem General und der Disciplin. Die Lehre wird alle mit gleichen Gefühlen beseelen sie lehrt gleich zu leben und zu sterben, und Unglück und Tod mit Unerschrockenheit zu tragen. Wer den Himmel kennt, wird wissen welchen Einfluss das männliche und weibliche Element ausüben, und wie durch ihr Zusammenwirken und ihre Gegenüberstellung Hitze und Kälte, helles und trübes Wetter entstehen. Wer die Erde genau kennt, wird wissen, was hoch und niedrig, nah und entfernt, weit und eng, was dauernd und was vorübergehend ist.1 Lehre; Gerechtigkeit, Wohlwollen für die Untergebenen, wie für alle Menschen Kenntnisse, der Hilfsmittel, Muth und Tapferkeit sind die Eigenschaften, die ein General besitzen muss, und die ihn allein befähigen können, allen würdig voranzugehen. ‘ Die Disciplin ist die Kunst die Truppen aufzustellen, die Gesetze der Subordination zu kennen und ihre Befolgung erzwingen zu können, sich über die Obliegenheiten jedes Einzelenen [sic!] klar zu sein, kein Detail zu vernachlässigen und sich über alles auf dem Laufenden zu erhalten. Wer diese Eigenschaften kennt ist fähig ein guter General zu sein; seine Unterführer werden zu ihm aufschauen und ebenso wie die gemeinen Soldaten willig seinen Befehlen gehorchen und seine Unternehmungen werden von Erfolg gekrönt sein. Im zweiten Kapitel, ,Vom Beginn des Feldzuges* heisst es ferner: ,Wenn das Heer gut im Stande ist, Vorräthe und Geld reichlich vorhanden sind, so ist das Beste, was ein General thun kann, gerade auf den Feind loszugehen. Schlagen und siegen werden in dem Falle eins sein. Handelt es sich um den Besitz einer Stadt, so soll man alle Kräfte gegen sie wenden und die Belagerungsarbeiten rastlos betreiben. Ein Feldzug der sich in die Länge zieht, frisst Geld und Vorräthe, entmuthigt das Heer und ruft Unzufriedenheit im eigenen Lande hervor, denn um die leeren Kassen zu füllen, muss der Fürst mit aller Strenge die Steuern eintreiben lassen, und das Elend greift in den Städten und auf dem Lande um sich. Ein guter Feldherr wird immer auf Kosten des Feindes zu leben oder wenigstens die Vorräthe aufzubrauchen suchen, die dem Feinde dienen könnten, selbst wenn er sie bezahlen müsste. Er wird es verstehen immer mehr Vorrath an Proviant und Futter zu haben, als sein Gegner er wird dem Feinde nie Ruhe lassen und ihm auf jede Weise Abbruch zu thun suchen. Er wird seine Soldaten durch Belohnungen zu weiteren Thaten aufmuntem, die Gefangenen wird er gut behandeln und ernähren, sie über [sic!] auch beschäftigen, damit die Unthätigkeit sie nicht auf böse Gedanken bringe. Die Aufgabe des Feldherm ist, die Besitzungen Fürsten zu schützen und die Rechte desselben zu wahren. An Eroberungen soll er erst in zweiter Linie denken. Sein Hauptziel soll sein, die Städte und Dörfer seines Herrn und der Bundesgenossen desselben gegen Zerstörung zu schützen; erst nachdem er hiefür Sorge getragen hat, soll er daran denken den Angriffskrieg zu führen. Auch ohne Schlachten zu schlagen kann man dem Feinde vielen Abbruch thun. Drei Monathe sollen genügen, um jeden festen Platz einzunehmen; dauert die Belagerung länger, so muss dem Feldherm die Schuld daran zugeschrieben werden; seine Aufgabe ist dann, seinen Eifer und seine Aufmerksamkeit zu verdoppeln und sich die Wachsamkeit die Thätigkeit, den Eifer und die Hartnäckigkeit der Ameisen zum Vorbild dienen zu lassen. Wenn ein General über mehr Truppen verfügt, als sein Gegner, so soll er ihn ganz umstellen, oder von verschiedenen Seiten zugleich angreifen; hat er weniger so muss er sich durch Ausnützung des Terrains zu schützen suchen und vermeiden zu schlagen. Wer sich an der Spitze des Heeres befindet ist die Stütze des Staates; ist er so wie er sein soll, so wird das Reich sich wohl befinden, anderenfalls aber darunter leiden, ja zu Grunde gehen können. Fünf Eigenschaften muss ein guter General haben. Er muss wissen, wann er zu schlagen und wann er der Schlacht auszuweichen hat; die Neue Erkenntnisse bei der Beobachtung anderer Kontingente ... 596