Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Der „Alltag“ bei der K. U. K. Escadre

Im Sommer und im Herbst 1900 bezogen die gelandeten Detachements ihren Nachschub durch die Escadre.2258 Bis Ende November 1900 waren dadurch in Beijing Fleischkonserven und Zwieback für 5 Monate und „sonstige“ Nahrungsmittel für 3 Monate vorhanden: Das waren neben 37 000 Portionen Konservenfleisch und 20 000 kg Zwieback unter anderem 6 000 kg Hülsenfrüchte, 800 kg „Mehlspeisen“ [d. h. Teigwaren], 4 000 kg Mehl, 600 kg Käse, 13 000 Liter Wein sowie Kaffee, Tee, Rum, Gewürze etc. Diese Quanten waren aus den Vorräten der Schiffe entnommen worden, welche durch Nachschub aus der Heimat und durch Ankäufe in Shanghai ergänzt wurden.2259 Ab Ende November 1900 wurde von der Escadre nichts mehr nachgeschoben, da der größte Theil der Verpflegung im Lande selbst aufzubringen war, und zwar wurde Schlachtvieh, Gemüse, Pferdefutter und sonstige Artikel (mit Ausnahme von Getränken2260 und Hülsenfrüchten) im Lande beschafft und die Mannschaft seit Herbst stets mit frischem Fleisch und Brot verköstigt. In Folge dessen sind die Vorräthe an Conserven und Zweiback jetzt noch d[as] i[st] Mitte April für 4 Monate ausreichend. Der weitere Nachschub an Hülsenfrüchten und Getränken erfolgt in diesem Monate.2261 Für die in China ansässigen Firmen war der Nachschub für die Truppen der Verbündeten ein bedeutender Umsatzfaktor und sie bemühten sich um Verträge mit den Kommanden, die auf mehrere Monate abgeschlossen wurden. Auch das k. u. k. Escadre-Commando in Ostasien formulierte am 21. Februar eine Offertaus­schreibung, um die Versorgung für die nächsten Monate zu sichern.2262 Im Folgenden soll nun anhand des Anbots der „Italian Colonial Trading Co. Ld.“2263 ein Überblick über die benötigten Waren gegeben werden und auch über die Gebinde, in denen geliefert wurde. Bei dem Anbot fallt auf, dass verschiedene Preise je nach Lieferort angegeben wurden. Der „Alltag“ bei der k. u. k. Escadre Verpflegung ohne Schwierigkeiten vor sich gieng. Trotzdem konnte eine entsprechende Menge von Schlachtvieh erst von October an (meist durch Requisition) beschafft werden, weswegen bis dahin die Truppen von Conservenfleisch leben mussten.“ KA, MS/OK 1901 -X-14/2, No. 1 395, fol. 154r, „Einsichtsstück des RKM Präs. 3356 b, Bericht des Hauptmannes Wojcik über die Verpflegung der verschiedenen Truppencontingente in China [ohne Ort, ohne Datum].“ 2259 Ebenda. D. h. Wein, Bier und Mineralwasser. 2261 KA, MS/OK 1901 -X-14/2, No. 1 395, fol. 154r, „Einsichtsstück des RKM Präs. 3356 b. Bericht des Hauptmannes Wojcik über die Verpflegung der verschiedenen Truppencontingente in China [ohne Ort, ohne Datum].“ 2262 Dieser Vorgang lief offenbar über das Generalkonsulat Shanghai, das Offerte für Lebensmittel und Maschinen-Betriebsmaterial in Shanghai, Zhifu/Yantai und Dagu einholen sollte. [Schiffsakten Maria Theresia 1901 /III, [blaue Nummer] ad 57 ]. 2263 Nach dem Briefkopf war dies der „China Branch for the Societa Italiana per il Commercio Colle Colonie“. [Schiffsakten Maria Theresia 1901/III, [blaue Nummer] ad 57 ]. 575

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