Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die Tätigkeit der K. U. K. Escadre für Ost Asien 1901

Georg Lehner - Monika Lehner bringen de[nn] es hätte vor allem den Eisgürtel neuerdings durchbrechen müssen und zwar unter noch schlechteren Verhältnissen, da das Eis infolge der großen Kälte nothwendigerweise fester geworden sein musste. Wie tief die Temperatur gewesen sein mag, kann nicht mit Genauigkeit gesagt werden; es müssen jedoch mindestens -20° gewesen sein, weil ein Thermometer, dessen Theilung bis auf -19° geht, zur Messung nicht mehr ausreichte. Nachdem das Detachement mit Proviant bis Ende Januar versehen ist und auch sonst kein Grund vorlag, die Station um jeden Preis zu halten, entschloss ich mich, directe nach Chefoo [Yantai/Zhifu] zu steuern, welchen Hafen ich zufolge telegraphischen Befehles zunächst anzulaufen hatte. Infolgedessen ließ ich um 8 h 0 m p. m. einen 4. Kessel anheizen, welcher um 9 h 30 m eingeschaltet wurde. Es wurde Curs auf Liau-ti- shan2223 genommen und anfänglich die ökonomische Geschwindigkeit eingehalten. Da der Wind bereits Sturmesstärke erreicht hatte und viele Sprüseen [sic!] über Bord gingen, welche unter dem Einflüsse der großen Kälte in kürzester Zeit alles mit einer dicken Eiskruste überzogen, wodurch das Verweilen auf der Commandobrücke sowie jede Communication auf Deck unmöglich geworden wäre, ermäßigte ich die Geschwindigkeit auf 8 sm. Trotzdem war am folgenden Morgen Alles, sogar die Kamine, bis zur halben Masthöhe mit mehreren cm dickem Eise bedeckt. Das Schiff rollte über die 30°, welche das Clinometer noch anzeigte und machte bedeutende Querschläge. Zu dem kamen noch häufige Schneeböen, welche die Aussicht sehr beeinträchtigten. Um 5 3/4 h a. m. des 31. kam das Leuchtfeuer von Liau-ti-schan in Sicht. Beim Passieren desselben um 7 h 36 m a. m. wurde die Position berichtigt und Kurs auf Cap Chefoo gesetzt, wonach Wind und See fast von achter kamen. Gleichzeitig erhöhte ich die Fahrt, soweit es die 4 in Betrieb stehenden Kessel gestatteten, um das Heck möglichst von den nachstürzenden Wellen zu schützen, was bei der durchschnittlichen Fahrt von 12 Knoten auch gelang. Wind und See nahmen auch im Laufe des Vormittages nicht ab, die Schneegestöber wurden jedoch häufiger und dichter, so dass ich es fur geboten hielt, die Fahrt wieder etwas herabzusetzen, als ich mich den Chefoo vorliegenden Inseln nach Rechnung auf wenige Meilen genähert haben mußte. Um 0 h 45 m Mittag wurde North Rock gesichtet, und von da der Curs auf Double Rock und weiter auf Chefoo-Cap genommen. Während dieser Zeit war das Schneegestöber besonders dicht, so dass der 980 ft hohe Chefoo-Bluff auf eine halbe Meile Distanz kaum sichtbar war. Nach Passieren desselben hielt ich auf Kung-kung-tau [Kongtongdao] ab und ankerte dort um 2 h 35 m [...]2224 2225 KA Montecuccoli notierte dazu in seinem Tagebuch: Heute Morgens kam die Aspem von Shanhaikuan [Shanhaiguan], d. h. von Wei-hai- wei [Weihaiwei]. Sie hatte ersteren Ort wegen Eisbildung [...] am 31. Jänner verlassen und mußte durch 12 Meilen Eisfelder sich durcharbeiten. - Sonst hatte sie kleine Havarien an d[er] Außenhaut u. dergleichen. Der Gesundheitszustand an Bord derselben war aber trotz Kälte ein sehr guter.2 5 Die letzte Bemerkung kann als Indiz für die gute Lebensmittelversorgung und die große Umsicht bei der Diensteinteilung gewertet werden. Obwohl KA 2223 D. i. die Weihaiwei vorgelagerte Inselgruppe Liugongdao. 2224 KA, MS/OK 1901-IV-23/4, No. 639, fol. 25', Commando S.M.S. „Aspem“ an ECiO, Res. No. 13 (Abschrift), Chefoo, 1.2.1901. 2225 KA, B/830, S. 156, Notizen zum 10. Febmar 1901. 566

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