Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Die Tätigkeit der K. U. K. Escadre für Ost Asien 1901
Die Tätigkeit der k. u. k. Escadre für Ostasien 1901 nächsten Tag fuhren S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia“ und S.M.S. „Kaiserin Elisabeth“ - mit einer Stunde Abstand - nach Jiujiang, wo S.M.S. „Kaiserin Elisabeth“ über Nacht ankerte, während das Flaggenschiff die Fahrt fortsetzte und über Nacht vor Anqing ankerte. Am Abend des 7. Juni2205 erreichte S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia“ Nanjing, wo KA Montecuccoli einen Tag blieb, um „die Ming-Gräber“2204 zu besichtigen. Während der Abwesenheit KA Montecuccolis von Bord erschien ein Abgesandter des Liu Kunyi an Bord, um KA Montecuccoli in Nanjing zu begrüßen. Obwohl ich nicht die Absicht gehabt hatte, den erst vor drei Monaten beim Vicekönig abgestatteten Besuch, beim gegenwärtigen Aufenthalt zu erneuern, musste ich diesem Höflichkeitsakte doch entnehmen, dass Liu-kung-Yi [Liu Kunyi] sich eine Wiederholung meines Besuches erwartete, in welcher Annahme mich auch der königlich britische Consul Sundius bestärkte. Ich schrieb daher an den Vicekönig, dass es mir sehr leid thue ihn diesmal wegen seines Unwohlseins nicht besuchen zu können und dankte ihm für die freundliche Aufnahme, welche die k. u. k. Kriegsschiffe in Nanking [Nanjing] erfuhren.2205 Am Nachmittag ankerten auch S.M.S. „Kaiserin Elisabeth“ und S.M.S. „Aspern“ in Nanjing. Das Flaggenschiff erreichte am 9. Juni den Hafen „Chinkiang [d. i. Zhenjiang]“, wo der Schiffsstab während des kurzen Aufenthaltes Gelegenheit erhielt, die Stadt zu besichtigen. 03 KA, MS/OK 1901-IV-5/13, No. 573, fol. 68, ECiO an RKM/MS, Res. No. 1 681/M (Kursskizze) [ohne Datum, vermutl. 10. Juni 1901]. 22(14 Welche Anlagen KA Montecuccoli mit den „Ming-Gräbem“ meinte, ist unklar. In Nanjing befindet sich lediglich das Grab des ersten Kaisers der Ming-Dynastie, des Hongwu-Kaisers Zhu Yuanzhang (regierte 1368-1398). Diese Grabanlage, deren Bau schon 1381 begonnen wurde, befindet sich am Fuß des Zijin Shan [Purpurberge] im Osten der Stadt Nanjing: „In Ausstattung und Dimension war dieses Mausoleum den Grabstäten bei Peking [Beijing] durchaus ebenbürtig, doch hat die Anlage während der Qing-Zeit starken Schaden genommen. Den 800 m langen Seelenweg (Shen Dao) zum Grab säumen auch hier überlebensgroße steinerne Tierfiguren, Krieger und Würdenträger [...]. Die massigen, wuchtigen Figuren sind paarweise, sitzend und stehend, angeordnet. Auf einer Stele hat man die Verdienste des Kaisers verzeichnet. Das Haupttor erschließt den ersten Hof der Anlage. Der Weg führt dann weiter über einen zweiten Hof und durch ein Tor in den dritten, wo eine Marmorbrücke einen Kanal überspannt. Der Grabhügel wird von einer purpurroten Mauer umgeben.“ (Volksrepublik China. Kunstreisen durch das Reich der Motte, ed. Frank Rainer Scheck, Köln, 3. überarbeitete Auflage 1988, S. 415 (Dagmar Yü-Dembski: Nanjing). Die Nekropole der Ming-Dynastie (Ming Shisan Ling [Dreizehn Ming-Gräber]), in der sich die Grabanlagen von 13 der 16 Herrscher dieser Dynastie befinden, liegt etwa 50 km nördlich von Beijing in einem etwa 40 Quadratkilometer großen, vom Tianshou Shan im Westen, Norden und Osten sowie vom Wohu Shan und Longshan im Süden begrenzten Talkessel. 2205 KA, MS/OK 1901-V-5/15, No. 1 669, fol. 114, ECiO an RKM/MS, Res. No. 591/M, Woosung, 16.6.1901. 559