Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die Tätigkeit der K. U. K. Escadre für Ost Asien 1901

Georg Lehner - Monika Lehner wo aus der Weg zum Yamen des Liu Kunyi in Sänften zurückgelegt wurde. Im Y amen wurden die Besucher mit allen Ehren empfangen und trafen auch den Liang- Jiang zongdu, von dem KA Montecuccoli ein sehr positives Bild zeichnet: Vice-König Liu-kun-yi [Liu Kunyi] ist ein alter, ziemlich gebrechlicher Mann, dem grosse Fremdenfreundlichkeit nachgesagt wird und der es verstanden hat, in seinem Bereiche die Ordnung auch in der kritischesten Zeit aufrecht zu erhalten. [...] Dem weiteren Gespräche wollte der Vice-König eine politische Wendung geben, indem er des russischen Separat-Abkommens bezüglich der Mandschurei Erwähnung that.2137 Am 11. März 1901 verließ S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia“ Nanjing, passierte noch an diesem Tag alle vier Stromsperren und ankerte etwa 20 Seemeilen unterhalb von Jianyin. Am folgenden Tag erreichte das Flaggenschiff Wusong, nahm dort Lebensmittel an Bord und erwartete die Ankunft von S.M.S. „Zenta“, die - wieder seeklar - mit dem Flaggenschiff nach Qingdao gehen sollte. Der deutsche Vizeadmiral Bendemann hatte KA Montecuccoli noch in Shanghai benachrichtigt, er werde ihn in Qingdao erwarten, um die „Honneurs“ zu machen. Kurz vor dem Auslaufen erhielt KA Montecuccoli noch ein Telegramm von VA Bendemann: Feldmarschall Graf Waldersee sollte am 16. März in Qingdao eintreffen. ­Ich Hess auf das hin Vice-Admiral Bendemann durch das k. u. k. General-Consulat von Shanghai telegraphisch in Kenntnis setzen, dass ich am 15. d. Mts. um 9 h a. m. in Tsingtau [Qingdao] eintreffen werde. Die anberaumte Stunde wurde genau eingehalten.2 * Am folgenden Tag liefen der deutsche Kreuzer „Kaiserin Augusta“ mit Feldmarschall Graf Waldersee an Bord und das deutsche Lazarettschiff „Gera“ in Qingdao ein. Feldmarschall Graf Waldersee hielt sich rund 36 Stunden in der deutschen Kolonie auf, die er noch nicht kannte - und die Zeit war - wie KA Montecuccoli schrieb - „reichlich mit Einladungen ausgefullt.“2139 Während des Aufenthaltes der Escadre in Qingdao kam ein reisender Inspektor des österreichischen Lloyd, LSF d. R. Friedrich Brosch, der die Lloydagentien in Ostasien besuchte, an Bord des Flaggenschiffes, um sich nach Wünschen des Escadre-Commandos zu erkundigen: Da die Provisionen der k. und k. Schiffe in letzter Zeit unter Aufsicht eines speciell für diesen Zweck bestimmten Lloydofficiers in gut verpackten Zustande übergeben werden, so wurde dem Inspector nur bekannt gegeben, dass es im allgemeinen Interesse des österreichischen Lloyd in Ostasien sehr nothwendig wäre, wenn die Dampfer die fahrplanmässigen Termine wenigstens halbwegs einhalten würden. Dem Umstande, dass dies nicht nur fast nie geschieht, sondern dass die Termine immer um beträchtliche Zeitintervalle, von 9 bis zu 14 Tagen überschritten werden, ist es zuzuschreiben, dass 2137 KA, MS/OK 1901-V-5/8, No. 776, fol. 67'. ECiO an RKM/MS, Res. No. 216/M, Shanghai, 28.2.1901. 2138 Ebenda, fol. 65v, ECiO an RKM/MS, Res. No. 216/M, Shanghai, 28.2.1901. 2139 Montecuccoli selbst hatte ihn zum Déjeuner geladen, danach besichtigte FM Waldersee S.M.S. „Zenta“, deren Kommandanten, FK Carl Skala, er bei der Überfahrt nach Ostasien kennen gelernt hatte. (KA, MS/OK 1901-V-5/10, No. 1087, fol. 74v, ECiO an RKM/MS, Res. No. 216/M, Shang­hai, 28.2.1901). 546

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