Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Georg Lehner - Monika Lehner fur die kostspielige Erhaltung einer ständigen Besatzung unserer Gesandtschaft in der von dem Militär-Komite beantragten Stärke nach Abschluß der Friedensverhandlungen mit China eine Nothwendigkeit nicht mehr vorhanden sein [dürfte] - jedenfalls müssen wir uns das Recht Vorbehalten, diese Wache je nach Umständen zu verstärken oder zu verringern, eventuell auch ganz zurückzuziehen.* 1882 1883 Der personelle Aufwand mochte vertretbar gewesen sein, doch die angespannte Finanzlage machte die Unterhaltung einer so großen Schutzwache unmöglich - das Reichs-Kriegsministerium bezifferte im Januar 1901 die monatlichen Kosten auf 520 000 K.1884 Diese Angabe bezog sich auf Kriegszeiten, doch nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrages mit China war eine wesentliche Verminderung nicht zu erwarten, da zumindest ein Kriegsschiff in den ostasiatischen Gewässern stationiert werden musste. Die endgültige Festlegung der Grenzen des Gesandtschaftsviertels enthielt der Annex N° 14 zum Protocole final, dem auch ein entsprechender Plan beigefügt war.'885 Graf Waldersee hatte in einem Gutachten für die Gesandten die vom militärischen Standpunkt erforderlichen Maßnahmen zusammengefasst1886: Zum Schutz der Gesandtschaften sollten 2 000 Mann in Beijing bleiben, was in Anbetracht des Umstandes, dass an den daselbst befindlichen 11 Gesandtschaften jene Spaniens, welche voraussichtlich demnächst eingezogen wird, sowie auch jene Belgien’s und Holland’s nicht mitzählen, für die übrigen 8 Legationen Schutzwachen von je 250 Mann ergeben würde.1887 Weiters sollten entlang der Bahnlinie zwischen Beijing und dem Meer neun Mili­tärposten eingerichtet werden, der in Tianjin mit 1 500 Mann, die anderen acht mit je 250-300 Mann. seine überseeische Reise an.“ (Triester Tagblatt, Nr. 6430 vom 9.3.1901, S. 1). Für das tatsächliche Abgehen Junks nach Beijing und seine abfällige Tätigkeit dort waren keine weiteren Belege zu finden. 1882 HHStA, P.A. XXIX/15, fol. 138r, Czikann an MdÄ, Telegramm No. 23 (6 936, Chiffre), Peking, 18.2.1901. 1883 Ebenda, fol. 156r, MdÄ an Czikann, Bericht No. 5, Wien, 22.2.1901. 1884 Ebenda, fol. 3r \ MS/PKan MdÄ, No. 16, Wien, 8.1.1901. 1885 AUR 1901 IX 7, fol. 19' [fanzösischer Text] 34'-33v [sic; chinesischer Text] und fol. 20 [Plan], In dem „österreichisch-ungarischen“ Exemplar fehlt die chinesische Version des Plans, diese ist abgedruckt in: Treaties, Conventions, etcc. between China and foreign states; Vol. I. Second edition. Publ. by Order of the Inspector General of the Customs, China. The Maritime Customs. III - Miscellaneous series: No. 30. Shanghai 1917, repr. New York 1973. Ein Übersichtsplan liegt bei: KA, PK 1902 XII-14/2. 1886 HHStA, P.A. XXIX/15, fol. 315'-316', MdÄ an Krieghammer, No. 195 (Vertraulich), Wien, 12.4.1901. (Eine Abschrift dieser Note erliegt in: KA, MS/OK 1901 -X-14, [37r-38r] O.K./M.S No. 891 [Geheim]). 1887 HHStA, P.A. XXIX/15, fol. 315v-316r, MdÄ an Krieghammer, No. 195 (Vertraulich), Wien, 12.4.1901. 492

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