Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten ... Artikel 3 - Sühne für den ermordeten Botschaftsrat Sugiyama Baron Nishi erklärte am 4. Dezember 1900, die japanische Regierung verlange die Entsendung einer Sondermission, die das Bedauern der chinesischen Regierung für den Tod Sugiyama’s aussprechen sollte. Mit dieser Forderung wollte die japanische Regierung China demonstrieren, dass alle Mitglieder der Gesandtschaft unantastbar seien. Sugiyama18" sei in offizieller Mission unterwegs gewesen und hätte Recht auf den besonderen Schutz seitens der chinesischen Regierung gehabt. Die Nachricht seines Todes habe in Japan großes Aufsehen erregt und zur sofortigen Entsendung japanischer Truppen geführt. Darüber hinaus habe es in der japanischen Gesandtschaft zahlreiche Todesopfer gegeben, „mais celles-ci n’ont pas eu le même caractère, car elles se sont produites au cours du siège alors qu’on se battait“.* 1812 In einer früheren Sitzung hatte Nishi - analog zum Vorgehen Deutschlands - die Errichtung eines Monuments am Ort des Attentats gefordert. Sollte sich jedoch die Sondergesandtschaft realisieren lassen, würde er von dieser Forderung abgehen.'813 Der k. u. k. Gesandte sprach sich für die Fordemng Japans aus, wenn diese außerhalb der Note präsentiert würde: On ne peut mettre le chancelier d’une legation sur le même pied que le Représentant d’une Puissance. Il y aurait en outre des inconvénients à étendre une pareille mesure, aux morts des derniers troubles.1814 Baron Nishi wollte jedoch gerade diese Gleichbehandlung einführen: Die japanische Regierung unterscheide klar zwischen Todesfällen vor und nach dem 20. Juni. Bis dahin sei Beijing ruhig gewesen und das Leben in normalen Bahnen verlaufen. Danach aber sei die Stadt im Chaos versunken, die Legationen belagert und pausenlos gekämpft worden - daher würden die nach dem 20. Juni Getöteten nicht erwähnt, auch wenn sie einen höheren Rang als Sugiyama gehabt hätten.1815 In der durchwegs heftig geführten Diskussion meinte Conger, es bestehe ein fundamentaler Unterschied zwischen den Fällen Ketteier und Sugiyama: Ketteier sei hochoffiziell mit Eskorte unterwegs gewesen und auf offener Straße angegriffen worden, während die offizielle Mission des Kanzlers der japanischen Gesandtschaft für Chinesen nicht unbedingt sofort erkennbar gewesen wäre.1816 Nach längerer Dis­kussion wurde schließlich ein neuer Paragraph in die Note aufgenommen: „Le 1811 1812 1813 1814 1815 1816 Im Protokoll dieser Sitzung wird der Name stets „Soujiyama“ geschrieben. ACNP, lie séance, 4.12.1900 [34], Salvago-Raggi untersützte diese Forderungen, so sie nicht in die Note integriert würden, da diese weitreichenden Änderungen die Diskussionen weiter in die Länge ziehen würden (Ebenda). Ebenda. Ebenda. Ebenda. 479

Next

/
Thumbnails
Contents