Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Georg Lehner - Monika Lehner Chinas erklärten, man könne ihn streng bestrafen, jedoch nicht mit dem Tod, da er keiner der Anführer der ,3oxer“ gewesen sei.1794 Als Strafe wurde schließlich Degradierung ohne die Möglichkeit, wieder ein Amt zu bekleiden, festgesetzt.1795 Ebenso wie mit Xu Chengyu sollte mit Qixiu verfahren werden, der einer der ausländerfeindlichsten Würdenträger gewesen war und seinen gesamten Einfluss als Mitglied des zongli yamen und als Ministre des cérémonies in den Dienst der Yihetuan gestellt hatte.1796 Damit waren die Fälle der Würdenträger, die im Dekret vom 25. September 1900 genannt worden waren, abgehandelt. Yikuang Prinz Qing und Li Hongzhang wollten über die geforderten Strafen an den Thron berichten, sie wurden jedoch angewiesen, auf die Entscheidungen der diplomatischen Vertreter zu warten, die ihnen schriftlich bekannt gegeben wurden. Daraufhin begann neuerlich das „Feilschen“ um die Todesurteile: Li Hongzhang erklärte, der Thron könnte die Todesstrafe in einigen Fällen ablehnen. Er und Yikuang Prinz Qing hofften, die Gesandten würden dies bei ihren Beratungen berücksichtigen. So schlug Pichon vor, man könne Zaiyi Prinz Duan und Zailan Herzog Fuguo vorerst beiseite lassen, wenn die Bevollmächtigten Chinas die Todesstrafe für Yingnian akzeptierten und diese dem Hof vorschlügen. Diese gingen darauf nicht ein, und der deutsche Gesandte brachte erneut seinen früheren Einwand zur Sprache: Warum wird Zaixun Prinz Zhuang strenger bestraft als Yingnian? Die Antwort war, dass Zaixun Prinz Zhuang der Führer der Bewegung gewesen sei, Yingnian nur ein Werkzeug, weshalb er zum „langsamen Tod“ (Ja mort lente“) verurteilt werden sollte.1797 Für Zhao Shuqiao wollten die Bevollmächtigten Chinas nicht die Todesstrafe vorschlagen, da sein Verbrechen weniger schwer gewesen wäre als das anderer, er habe nie die Yihetuan kommandiert. Auf diese Einwendungen reagierte der Vertreter Frankreichs, der Gesandte Pichon, mit zunehmendem Arger: On a attaqué les Légations et les Missions pendant deux mois, assassiné un Ministre et un Chancelier, tué des soldats et des volontaires, donné au monde le spectacle sans pré­cédent d’un Gouvernement s’efforçant de massacrer les Représentants Etrangers, et comme châtiment on offre la peine de mort pour deux coupables. Les Plénipotentiaires Chinois croient-ils que cette proposition soit assez sérieuse pour être prise en considéra­tion par les Puissances?1798 1794 Darauf wandte Pichon ein, die Vertreter der Mächte müßten sich mit der „zweiten Garnitur“ zufrieden geben, da die chinesischen Behörden die Anführer nicht exekutieren wollten. (Ebenda). 1795 Direktorder Linken im Justizministerium; hingerichtet am 26.2.1901 (ECCP, S. 408). 1796 Juni 1900 Präsident des Ministeriums der Riten, zuvor Zweiter Minister; hingerichtet am 26.2.1901 (MZDC, S. 351, Hirth, S. 70). 1797 Damit war gemeint, er solle zum Tode verurteilt und zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigt werden. Siehe dazu: Guy Boulais, Manuel du Code Chinois, Variétés sinologiques No. 55, Chang-Hai 1924. 1798 ACNP, Protocole No. 2 (5.2.1901). 474

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