Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

geschickt werden. Dieses Exil könnte - nach dem Willen der Diplomaten - lebenslänglich sein.1786 Zhao Shuqiao war als Mitglied des Großrates und Justizminister und durch seinen Einfluss auf den Thronrat führende Kraft der ausländerfeindlichen Aktivitäten. Er hatte die Regierung veranlasst, den Yihetuan alle Freiheiten zu lassen und war verantwortlich für die Hinrichtung von Würdenträgern, die versucht hatten, während der Belagerung Angriffe auf die Gesandtschaften aufzuhalten. Auch er sollte nach Ansicht der Bevollmächtigten Chinas degradiert und ins Exil geschickt werden. 1787 Dieser Vorschlag war für die Diplomaten nicht annehmbar, sie wiederholten daher ihre Forderung, alle genannten Personen für die ihnen zur Last gelegten Verbrechen streng zu bestrafen. Es entspann sich nun eine Grundsatzdebatte über die Grundlagen für die Bemessung der Strafen. Sir Emest Satow stellte fest, es existiere ein kaiserliches Edikt, das Zaixun Prinz Zhuang, Zailan Herzog Fuguo, Yingnian und Gangyi als Anführer der Yihetuan bezeichne. Daher könne es bei ihnen keinen Unterschied in Schuld und Verantwortung geben. Cölogan erklärte, man werde an diesem Tag die Erklärungen der Bevollmächtigten Chinas nicht diskutieren. Der deutsche Gesandte von Mumm stellte fest, lediglich für Yingnian sei lebenslängliches Exil vorgesehen. Behalte sich daher die Regierung das Recht vor, die anderen ins Exil Geschickten zurückzurufen, wenn es ihr passe? Und warum werde Zaixun Prinz Zhuang zum Tode verurteilt, diese Strafe jedoch für Zaiyi Prinz Duan abgelehnt? Ihre Schuld sei die gleiche, warum nicht auch ihre Strafe? Die chinesische Seite erwiderte, es gebe nach chinesischem Recht einen Unterschied zwischen Rädelsführern und Komplizen. Darauf erwiderte Sir Emest Satow, es sei keine Frage des chinesischen Rechts, sondern des „loi de l’humanité“. Yikuang Prinz Qing erklärte, Zaixun Prinz Zhuang sei der Vorgesetzte von Yingnian und Zailan Herzog Fuguo gewesen, die ihm gehorcht hätten und daher sei nach chinesischer Ansicht ein Unterschied in ihrer Verantwortlichkeit. Zaixun Prinz Zhuang sei der wichtigste Anführer der Yihetuan, und verdiene die strengste Strafe. Zaiyi Prinz Duan sei jedoch ein enger Verwandter des Kaisers in direkter Linie. Die Bevollmächtigten Chinas konnten die Diskussion mit dem deutlichen Hinweis, sie hätten nicht die Absicht, die Schuldigen zu schützen, die Situation entspannen und man wandte sich wieder der Liste zu. Yuxian hatte die Yihetuan-Bewegung neu belebt und sie reorganisiert. Er war verantwortlich für die Massaker in Shanxi und hatte, bekannt für seine Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten ... 1786 März 1900 Vizeminister im Ministerium für öffentliche Arbeiten; Präsident des Hofes der Zeremonien; als Unterstützer der Yihetuan zum Selbstmord verurteilt, leistete dem Befehl am 24.2.1901 Folge (Hirth, S. 71, MZDC, S. 394 f.). 1787 März 1900 Zweiter Minister im Justizministerium und Mitglied des Staatsrates; zum Selbstmord verurteilt, leistete dem Befehl am 24.2.1901 Folge (Hirth, S. 69 f, ECCP, S. 407 f.). 471

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