Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

der Vertreter der Mächte mit den chinesischen Verhandlungstaktiken ist, soll hier auf den Verlauf derselben noch einmal näher eingegangen werden. Zunächst las Cölogan den oben erwähnten, von den Diplomaten vorbereiteten „Réquisitoire“, in dem die Vorwürfe konkretisiert wurden und forderte de facto für alle die Todesstrafe. Daraufhin wollten die Bevollmächtigten Chinas jeden einzelnen Fall gesondert betrachten. Yikuang Prinz Qing erklärte: Nous ne voulons pas protéger ces gens là qui ont attiré de grands malheurs sur leur pays et sur leurs compatriotes, qui ont attenté â la vie des Ministres Etrangers et causé le massacre des Missionaires. Mais nous devons les punir en considérant leur situation per­sonnelle et leurs crimes; en conséquence, il y a des distinctions à faire dans les puni­tions.178' Schließlich wurde über jeden einzelnen der 12 Beschuldigten gesprochen: Zaixun Prinz Zhuang wurde von den diplomatischen Vertretern als offizieller Kommandant der Yihetuan bezeichnet. Er war ab dem 21. Juni 1900 Präfekt der Polizei und als solcher verantwortlich für eine Verlautbarung, die denjenigen Chinesen Belohnungen zusicherte, die Ausländer gefangen nahmen oder mit Ausländem kollaborierende Chinesen töteten. Darüber hinaus stellte er sein Palais den Yihetuan als Hauptquartier zur Verfügung, die dort später chinesische Christen exekutierten. Die Bevollmächtigten Chinas erklärten, er solle zum Selbstmord gezwungen werden.1781 1782 Zaiyi Prinz Duan wurde von den Diplomaten als Rädelsführer der Yihetuan bezeichnet, der mit deren Hilfe alle Ausländer aus China vertreiben wollte. Nach seiner Ernennung zum Präsidenten des zongli yamen war er verantwortlich für mehrere ausländerfeindliche Übergriffe und vor allem für das Edikt vom 2. Juli 1900, das die Angriffe auf Ausländer in den Provinzen (primär in Shanxi) ausgelöst hatte. Darüber hinaus hatte er seinen Truppen befohlen, gemeinsam mit Soldaten Dong Fuxiang’s die Gesandtschaften anzugreifen. Er war verantwortlich für die Verurteilung von 4 Mitgliedern des zongli yamen, eines Ministers und zahlreicher anderer Würdenträger, die der „Fremdenffeundlichkeit“ beschuldigt und hingerichtet worden waren. Er wurde als Verfasser des Ultimatums vom 19. Juni 1900 betrachtet, durch welches das Diplomatische Corps aufgefordert wurde, Beijing innerhalb von 24 Stunden zu verlassen, hatte aber noch vor Ablauf des Ultimatums Angriffe auf Ausländer in den Straßen von Beijing befohlen und war daher zumindest mittelbar für das Attentat auf den deutschen Gesandten Klemens von Ketteier verantwortlich.1783 Die Bevollmächtigten Chinas erklärten, er solle für den Rest seines Lebens ins Exil nach Xinjiang verbannt werden. Auf die Forderung des französischen Gesandten, seine Güter sollten konfisziert werden, antworteten Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten ... 1781 ACNP, Protocole No. 2 (5.2.1901) [80], 1782 Er wurde durch kaiserliches Edikt zum Selbstmord gezwungen; leistete dem Befehl am 21.2.1901 Folge (MZDC, S. 581). 1783 seit 10.6.1900 im zongli yamen; 1901 Verbannung in das Yili-Gebiet, wo er bis 1911 bleibt (MZDC, S. 583, ECCP, S. 394). 469

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