Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen
Georg Lehner - Monika Lehner niederzuschlagen. Bei Zuwiderhandeln werden sie umgehend von ihren Posten abberufen und verlieren jede Chance, einen neuen Posten zu erhalten. 11. Änderung der Handels- und Schifffahrtsverträge und Aufnahme von Verhandlungen zur Erleichterung des internationalen Handels. 12. Einrichtung eines Außenministeriums und Modifikation des Zeremoniells für diplomatische Vertreter fremder Mächte.'734 Der relativ knappe Text verbirgt die Tatsache, dass die Vertreter der Mächte in den Gesandtensitzungen über jeden einzelnen Punkt - oft kontrovers - diskutiert hatten und zeigt nichts von dem oft langwierigen Feilen am Text. Im Folgenden wird nun versucht, jeweils getrennt für jede der „Forderungen“, Diskussion und endgültige Formulierung sowie die Diskussion mit den Vertretern Chinas und die endgültige Regelung, die dann im „Protocole final“ niedergelegt wurde, darzustellen. Artikel 1 - Die Entsendung einer Sühnegesandtschaft Der Doyen des Diplomatischen Corps selbst brachte die Frage der „Sühne“ für die Ermordung des deutschen Gesandten von Ketteier am 5. November 1900 zur Sprache: Die Unruhen des vergangenen Sommers hatten zahlreiche Opfer gefordert, doch die herausragende Stellung des deutschen Gesandten, der erschossen wurde, als er in offizieller Mission zum zongli yamen unterwegs gewesen war. Cölogan schlug vor, ein Zeichen zu setzen, indem die Entschädigung dafür an die Spitze aller Forderungen gesetzt werde. Die Sühnemaßnahmen sollte der deutsche Gesandte Vorschlägen.1735 Der deutsche Gesandte, Alfons Freiherr Mumm von Schwarzenstein, erklärte, die Ermordung eines Gesandten sei tatsächlich ein außergewöhnliches Ereignis. Dans tous les temps et dans tous les pays la personne des Ambassadeurs et des Ministres étrangers a été considérée comme inviolable, et, en quelque sorte, comme sacrée [...] sa mort [gern. Kettelers] a sauvé la vie à un grand nombre de ses Collègues.1736 Daher erhob die deutsche Regierung drei Forderungen: 1. Ein kaiserliches Edikt, das das Bedauern ausdrückt. Mumm erklärte dazu, es gebe bereits so ein Dekret, das er als Provisorium akzeptieren könne. 2. Entsendung einer Sondergesandtschaft nach Berlin, die von einem Prinzen aus der kaiserlichen Familie angeführt wird, um das Bedauern des chinesischen Kaisers und der chinesischen Regierung auszusprechen. 3. Errichtung eines Denkmals am Ort des Attentats. Dieses Denkmal sollte dem Rang des Ermordeten angemessen sein und eine Inschrift in lateinischer, 1734 1735 1736 ACNP, Premier protocole (séance du 24 décembre 1900) [53-55]. ACNP, 4e séance, 5.11.1900 [10]. Ebenda. 462