Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen
Um dem ein Ende zu machen, schlug Pichon vor, über drei Fragen abzustimmen: 1. Sollte das Diplomatische Corps bei den Bevollmächtigten Chinas Zusammenkommen? 2. Sollte der Tagungsort für alle Sitzungen gleich bleiben? 3. Sollte man sich weiter in der spanischen Gesandtschaft versammeln? Lediglich die erste Frage wurde einstimmig - mit einem klaren „Nein“ - beantwortet. Bei der Frage des Tagungsortes sprachen sich sechs Delegierte für einen einzigen Tagungsort für alle Sitzungen aus, einer stimmte dagegen und drei enthielten sich der Stimme. Daher wurde der Mehrheitsbeschluss angenommen: die Sitzungen sollten immer am selben Ort stattfinden. Auf die Frage 3 antworteten drei Delegierte, man solle sich in Zukunft in der deutschen Gesandtschaft treffen, einer war für die spanische, einer für die englische Gesandtschaft, sechs enthielten sich der Stimme - was jedoch nicht die von Pichon gestellte Frage beantwortete, die mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten wäre. Bei der neuen Abstimmungen waren bei vier Stimmenthaltungen vier Delegierte für, drei gegen die spanische Gesandtschaft, worauf festgehalten wurde, sich weiter in der spanischen Gesandtschaft zu versammeln.1719 Am 22. Dezember kamen die Delegierten wieder zusammen, Conger hatte die Note unterzeichnet und der Doyen schlug vor, die Delegierten sollten am 24. Dezember 1900, um 10.00 Uhr vormittags den Bevollmächtigten Chinas die Note überreichen. Giers, Mumm und Satow, die Mitglieder der Kommission, welche die Formalitäten für die künftigen Konferenzen mit den Bevollmächtigten ausarbeiten sollten, präsentierten dann ihre Vorschläge. 1. In der ersten Sitzung sollte der Doyen die Note übergeben und eine von den Delegierten gemeinsam ausgearbeitete Erklärung abgeben. 2. Sollten die Bevollmächtigten Chinas, nachdem die Frage der Vollmachten geregelt wäre, weitere Unterredungen mit den Delegierten wünschen, um einzelne Punkte zu diskutieren, sollten sie aufgefordert werden, ihre Einwendungen zunächst schriftlich zu äußern, bevor das Diplomatische Corps darüber entscheiden könnte. 3. Die Antwort der Bevollmächtigten Chinas auf die Kollektivnote könnte in einer Sitzung zurückgegeben werden. 4. D’Anthouard wird gebeten, während der Zusammenkünfte mit den Bevollmächtigten Chinas als Sekretär zu füngieren, Kroupensky, Tower und von Bohlen1720 sollten ihm assistieren. Georg Lehner - Monika Lehner 1719 ACNP, 14e séance, 20.12.1900 [49], 1720 Die Genannten waren die Dolmetscher der russischen, der britischen und der deutschen Gesandtschaft. 458