Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Georg Lehner - Monika Lehner Frankreich war zunächst durch Stephen Pichon vertreten, der im Frühjahr 1901 durch Paul Beau, den bisherigen Kabinettschef von Minister Delcassé, abgelöst wurde1617. Herr Beau schiffte sich vor wenigen Tagen in Marseille ein. Er dürfte erst im Juni an seinem Reiseziele eintreffen, da er sich in Indochina aufhalten will. Man hofft hier, dass bis dahin die Unterhandlungen in Peking [Beijing] so weit gediehen sein werden, dass der Wechsel in der Person des französischen Vertreters ohne Störung vor sich gehen wird.1618 Paul Beau war in Paris nicht unumstritten, wie aus dem Bericht des österreichischen Botschafters in Paris, Graf Wolkenstein, hervorgeht: Herr Beau ist verhältnismäßig jung, denn er steht im 44ten Lebensjahre. [...] Seit 15 Jahren gehört er ununterbrochen dem Ministerium des Äußern an, wo er sofort als Sous­chef du personnel debütirte. [...] Übrigens geben selbst die ihm nicht wolgesinnten [sic!] Collegen vom Quai d’Orsay seine Begabung und Arbeitskraft zu. [...] Was das Verhältnis der hiesigen fremden Diplomaten zu Herrn Beau betrifft, so kann dasselbe im allgemeinen als ein schlechtes bezeichnet werden. Er war zugeknöpft, unzugänglich und ließ es manchmal an den gebührenden Rücksichten für die fremden Vertreter fehlen [...] Am Uncorrectesten waren seine Beziehungen zur hiesigen Presse, die er trotz aller Démenti’s des Herrn Ministers des Äußern, und manchmal vielleicht hinter dessen Rücken inspirirte. [...] Der Abgang Beau’s wird in den hiesigen diplomatischen Kreisen und auch von der Mehrzahl seiner Collegen am Quai d’Orsay das Gefühl ungetrübter Befriedigung zurücklassen.1619 Edwin Hurd Conger, der seit 1898 Gesandter in Beijing war1620, vertrat die USA zu Beginn der Verhandlungen; ab Februar 1901 nahm dann W. W. Rockhill als Bevollmächtigter der US-Regierung an den Konferenzen teil. Italien war durch Marchese Giuseppe Salvago-Raggi1621 vertreten, Russland durch Michail Nikolajevic Giers'622 * *, F. M. Knobel1625 vertrat die Niederlande. Die 1617 Pichon wechselte als Generalresident nach Tunis. 1618 (HHStA, P.A. IX/148, fol. 306, Wolkenstein an Goluchowski, Bericht No. 19 B Vertraulich, Paris, 3.4.1901). [Ebenda, 306v-310v]. 1619 p i « Ebenda. 1620 1843-1907, Rechtsanwalt, Politiker (Republikanischer Abgeordneter zum 49., 50. und 51. Congress), 1890-1893 Außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister in Brasilien. 1621 Salvago-Raggi, Giuseppe *17.3.1866, +1945; Karrierediplomat, war vor seiner Entsendung nach Beijing u.a. den Vertretungsbehörden in Madrid, St. Petersburg und Konstantinopel zugeteilt. (Ar- chivio Biografico Italiano I, Mikrofiche 878, 54). 1622 Giers, Michail Nikolajevic *1855, +1932; 1898-1901 russ. Gesandter in China. (Erik Amburger, Geschichte der Behördenorganisation Rußlands von Peter dem Großen bis 1917, Studien zur Geschichte Osteuropas Bd.10, Leiden 1966, S. 462). 1625 Knobel, F.M.; *1856 in Amsterdam, ab 1889 General-Konsul in Teheran, ab 1895 Gesandter in Beijing (Biograafisch Archief van Benelux I, Mikrofiche 375,130. Henri Cordier, Histoire des relations de la Chine avec les puissances occidentales 1860-1902 Bd. Ill, Reprint Taipei 1966, S. 516 f.) - Henri Cordier nennt als Geburtsdatum den 31.5.1857 und erwähnt, daß Knobel ab 22.1.1895 „ministre résident en Chine“ war, jedoch erst am 18.7.1896 „ministre-résident en titre“. 442

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