Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

Georg Lehner - Monika Lehner einem Gefecht teilgenommen. In drei Dörfern, etwa 16 Kilometer südwestlich von Tianjin, hatten sich nach den den kooperierenden Mächten vorliegenden Berichten zu diesem Zeitpunkt sowohl reguläre Qing-Truppen als auch Anhänger der Yihetuan aufgehalten. Um zu verhindern, dass diese bewaffneten Gruppen durch ihr Vorrücken nach Norden die Transporte der kooperierenden Truppen und vor allem die nach Beijing abgehenden Nachschübe unterbinden könnten, wurden Truppen dorthin entsandt. Den unmittelbaren Anlass für diese Aktion bot eine Attacke auf eine japanische Kavallerie-Patrouille, bei der ein Japaner getötet und mehrere verwundet worden waren. Das Terrain im Südwesten von Tianjin war äußerst schwierig zu passieren. Sumpfiges Terrain und durch Starkregen aufgeweichte Maisfelder erschwerten den Anmarsch. Die Truppen durchkämmten die Gegend um die Ortschaften Huajiazhuang1503 1504 1505, Yangwuzhuang und Yaojiacun.'504 Dort stießen sie auf eine mit veralteten Gewehren ausgerüstete Gruppe von meist jugendlichen Yihetuan unter der Leitung von Liu Shijiu. Diese hatten ihre (schlechte) Munition bald verschossen und wurden anschließend von den alliierten Truppen eingekesselt.'505 Am 3. September 1900 unternahmen zwei Züge des k. u. k. Landungs- Detachements Beijing unter der Führung von LSF Flugo Accurti einen Rekognoszierungsmarsch zu einem westlich von Beijing gelegenen Tempel, in welchem kleinere Abteilungen von Yihetuan vermutet wurden. Bei der Ankunft des k. u. k. Detachements war der Tempel jedoch bereits geräumt. Da Schriften und Abzeichen der Yihetuan vorgefunden wurden, erschien dem von Eugen Wihlfahrt als Dolmetsch begleiteten Detachement die „Einäscherung dieses Nestes vollkommen gerechtfertigt.“1506 Während der gesamten Aktion wurde vom k. u. k. Detachement kein einziger Schuss abgegeben.1507 Die erste internationale Expedition in das Umland von Beijing begann am 16. September 1900. Ziel der Operation war der Raum zwischen Moshikou und Badachu.1508 Diese und alle übrigen internationalen Operationen in der Provinz Zhili 1503 Zur Lokalisierung des Schauplatzes vgl. die Karte von Möllendorff (1881), Tafel VIII. sowie das 1899 kompilierte Tianjin fuzhi [Lokalhandbuch der Präfektur Tianjin], Nachdruck der Originalausgabe in zwölf Bänden, Taipei 1970, juan 23, 19a, S. 1887 sowie die Karten ebenda, S. 1463. 1504 Eine Zusammenfassung dieses Berichtes bietet Winterhaider (1902), S. 447-450. - Einen chinesischen Bericht über dieses Gefecht westlich von Tianjin zitiert Cohen (1997), S. 188. 1505 Vgl. dazu Cohen (1997), S. 188 sowieebenda, S. 352 f. Anm. 46. 1506 Winterhaider (1902), S. 454. - KA, MS/OK 1900-X1-2/7, Nr. 2 742, ECiO an RKM/MS, Res. No. 217/m, Taku-Rhede, 1.10.1900. 1507 Ebenda, Res. No. 100/m, Taku-Rhede, 1.10.1900. 1508 Ebenda, Res. No. 217/m, Taku-Rhede, 1.10.1900: „an einer Action gegen Mo-shi-kou, einem circa 20 km westlich von Peking gelegenen Orte zu betheiligen.“ - Zu dieser Expedition gegen Badachu vgl. auch [Carl] Bo y-Ed, Peking und Umgegend nebst einer kurzen Geschichte der Belagerung der Gesandtschaften (1900), Wolfenbüttel 1908, S. 98: „Im Jahr 1900 hatten sich die Boxer hier festgesetzt. Eine große internationale Expedition gegen dieselbe unter englischer Führung verlief ergebnislos.“ 412

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