Sonderband 4. Das Institutionserbe der Monarchie. Das Fortleben der gemeinsamen Vergangenheit in den Archiven (1998)

Walter Rauscher: Die außenpolitischen Beziehungen zwischen Österreich und Ungarn in der Zwischenkriegszeit

Walter Rauscher Die Einverleibung Österreichs wurde in Ungarn natürlich keineswegs ohne jegliche Bedenken erwartet. Noch am 2. März 1938 betonte so auch Außenminister Känya, daß Ungarn die Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit Österreichs lieber sähe als die Nachbarschaft eines 80-Millionen-Reiches; doch der Anschluß an Hitler-Deutschland wurde schließlich Wirklichkeit, und am 13. März 1938 pries so etwa der „Pester Lloyd“ den Sieg der gesamtdeutschen Idee, der die „unsinnige und verfehlte“ Pariser Friedensordnung ins Wanken gebracht habe. Reichsver­weser Miklös Horthy zog endlich in seiner Radioansprache wenige Tage nach dem Anschluß den Schlußstrich unter die Beziehungen zwischen Österreich und Ungarn nach 1918: „Die erfolgte Vereinigung Österreichs mit Deutschland ist, was uns betrifft, nichts anderes als daß sich einer unserer alten guten Freunde mit einem anderen alten Freund von uns vereinigt hatte. Das ist alles: Sonst ist von unserem Stand­punkt aus nichts geschehen20.“ 20 Zitiert bei Szinai, Miklos, Ungarn und der Anschluß. 1938-1938. In: Österreichische Osthefte (1988). 168-177; hier 168. 45

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