Sonderband 4. Das Institutionserbe der Monarchie. Das Fortleben der gemeinsamen Vergangenheit in den Archiven (1998)

István Fazekas: Die ungarischen Archivdelegierten im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, sowie im Finanz- und Hofkammerarchiv - Ein Bilanzversuch

Dic ungarischen Archivdelegierten im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Rechts- und Verfassungsgeschichte zu gründen6. Sein Nachfolger war Oszkär Pauli- nyi, Vizearchivar des Ungarischen Staatsarchivs7. Bald hat auch Gyula Miskolczy von der Kaiserstadt Wien Abschied genommen. Der Direktorstuhl im Römischen Ungarischen Institut und ein Lehrauftrag an der Universität Rom wartete auf ihn8. So kam es, daß Dénes Jânossy über den Kopf von Oszkär Paulinyi zum ersten Beauftragten bestellt wurde9. Jânossy wirkte von 1930 bis 1936 in Wien. Bei den Personalentscheidungen ist es wichtig zu bemerken, daß die ausgewählten Perso­nen in jedem Fall Ortskenntnisse besessen haben. Guyla Miskolczy hatte als Diur­nist des Ungarischen Staatsarchivs im Jahre 1914 im Hofkammerarchiv gearbeitet10 11. Oszkär Paulinyi hatte in den Jahren 1922-1923 bei Professor Dopsch studiert, dann bekam er in den Jahren 1926/1927 die Möglichkeit, als Stipendiat des Wiener Insti­tuts für ungarische Geschichtforschung zu forschen. Dénes Jânossy hatte sich auch als Stipendiat des genannten Instituts in den Jahren 1925 bis 1927 der archivali- schen Forschung widmen können11. Die ausgewählten Personen waren immer im Ungarischen Staatsarchiv angestellt. Eine Zusammenstellung von Dénes Jânossy gibt sehr gut Auskunft über die ad­ministrativen und wissenschaftlichen Aufgaben der ungarischen Regierungsbeauf­tragten bei den Wiener Archiven12. Im Sinne des Archivabkommens hatten sie das Recht, nicht nur die Aufsicht über die gemeinsamen Bestände zu führen, son­dern an den Ordnungs- und Skartierungsarbeiten teilzunehmen. Sie wählten die an Ungarn abzugebenden Archivalien aus. Die Veränderung der zeitlichen Benüt­zungsgrenze wurde auch im Einvernehmen mit der ungarischen Seite geregelt. Die Erledigung der Aktenentlehnung gehörte zu ihrem Aufgabenbereich, (damals war es noch möglich, drei Faszikel für zwei Monate aus den Wiener Archiven 6 Eck hart wurde am 21. August 1929 zum Professor an den II. Lehrstuhl für Rechtsgeschichte der Uni­versität Péter Pâzmâny in Budapest ernannt. Seine Selbstbiographie liegt in seinem Nachlaß: Magyar Tudomânyos Akadémia Kônyvtârânak Kézirattâra (Handschriftensammlung der Bibliothek der Unga­rischen Akademie der Wissenschaften, im weiteren MTA KK) Ms 5614/62 und 63. Ich danke herzlich Dr. Gabor Ujvary (Collegium Hungaricum, Wien), daß er mich auf diese Dokumente aufmerksam gemacht hat. 7 Die Verhandlungen wurden im September 1929 über die Entsendung von Oszkär Paulinyi begonnen MOL K 726 Magyar Nemzeti Müzeum Tanäcsi iratok (Ungarisches Nationalmuseum, Schriften des Rat) 784/1929. Er wurde am 6. Dezember 1929 in Wien delegiert. MOL K 726 1117/1929. MOL Y 1 Direktionsakten des Ungarischen Staatsarchivs 1402/1929, K 81 1192/1929. 8 Miskolczy wurde am 13. Juni 1930 mit der Direktion des Römischen Ungarischen Instituts betraut, dann wurde er im Herbst 1930 Universitätsprofessor genannt. Die Direktorernennung wurde am 20. Oktober 1930 unterschrieben. Ujvary, Gabor: A Römai Magyar Intézet Tôrténete (Die Ge­schichte des Römischen Ungarischen Instituts). In: Levéltâri Szemle 44 (1995) 33-34. 9 Minister Klebeisberg hat am 9. April 1930 Jânossy als Nachfolger von Miskolczy empfohlen. MOL K 726 346/1930. 10 Miskolczy war von 1. Jänner bis 2. August 1914 im Hofkammerarchiv tätig (Anmerkung 2). 11 Paulinyi: MOL K 726 784/1929. Jânossy: GâborUjvâry: Tudomânyszervezés - Tôrténetkutatâs- Forrâskritika. Klebelsberg Kuno és a Bécsi Magyar Tôrténeti Intézet (Organisation der Wissen­schaft - Historische Forschung - Quellenkritik. Graf Kuno Klebelsberg und das Ungarische Histori­sche Institut in Wien). Gyö'r 1996. 12 Dénes Jânossy an Elek Petrovics. MOL K 726 792/1933 (22. Mai 1933). Eine ähnliche Zusammen­stellung von Gyula Miskolczy vom 24. September 1929. MOL Sektion Y Karton 213. 96

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