Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

† Peter Gasser: Karl VI., Triest und die Venezianer

Peter Gasser keineswegs gespart. Auch Grenna zählt zu den Befürwortern einer Priorität Triests gegenüber Fiume, dessen Mängel er in überzeugender Weise darzulegen wußte. Die durch die vorgelagerten Inseln Cherso, Lussin und Veglia schwierige Zufahrt nach Fiume gestaltete sich bei der im Quarnero oft monatelang anhaltenden Bora nahezu unmöglich. Den Seefahrern blieb dann, da sie an der steilen Felsenküste nirgends vor Anker gehen könnten, als Alternative nur die Zuflucht nach den vene­zianischen Häfen Rabaz und Porto Longo bzw. die Flucht in die offene See, mit dem Risiko bis nach Ancona abgetrieben zu werden165. Was den Hafen von Fiume selbst betreffe, so könne er wegen der geringen Tiefe nur von Tartanen und kleineren Kü­stenfahrzeugen, nicht aber von größeren Seglern angelaufen werden. Diese müßten auf offener Reede, also weit entfernt von den Lagerhäusern ankern. In den engen Gassen der Stadt, wo ein Fuhrwerk nicht einmal reversieren könne, werde der Ver­kehr nur mühsam abgewickelt; nur ein einziger, recht dürftiger Gasthof stehe den Fremden in Fiume offen. Unfruchtbare Umgebung decke kaum den Weinbedarf der Stadt, die auch auf die Einführ von Heu und sonstigen Futtermitteln angewiesen sei. Den Nachteilen Fiumes stellt Grenna die Vorzüge Triests gegenüber, wo das Ein- und Ausladen der Schiffe sogar reibungsloser als in Venedig geschehe. Der geringen Wassertiefe wegen sei es den größeren Kauffahrem dort nicht möglich, unmittelbar neben den Magazinen anzulegen, was ein zeitraubendes und mit zusätzlichen Aus­gaben verbundenes Umladen auf flachkielige Lastkähne erforderlich mache166. Hin­gegen könnte die äußere Hafenanlage Triests-nach erfolgter Ausbaggerung- Kriegs- und Handelsschiffe in nahezu unbegrenzter Zahl aufnehmen und der kleine­re Innenhafen (porto interiore) gleichzeitig sechs vollbeladenen Frachtern das Anle­gen bei den dort bereits errichteten Magazinen ermöglichen167. Widmann, der die „ob parem gradum portus liberi“ entstandene Rivalität der bei­den Seeplätze bedauerte, teilte in diesem Fall die Meinung Grennas. Mit Nachdruck forderte er die Herstellung einer besseren Landverbindung zwischen den beiden Städten, da er die Reisezeit von zwei Tagen, für die Hin- und Rückfahrt, für unhalt­bar und auf die Hälfte reduzierbar hielt. Die finanziellen Mittel für diesen Straßen­bau sollte das Land Krain beisteuern, zumal er, Widmann, in Laibach für dieses Projekt Bereitschaft vorgefünden hätte. Entsprach doch die Steuerung des von Inner­österreich nach der Adria gehenden Güterverkehrs den Interessen der Krainer Landstände. Den Hauptzweck der neuen Straße durch Nordistrien sah Widmann jedoch in der schnellen Verbindung Kroatiens mit Triest, womit er implicite Fiume die Fähigkeit absprach, als selbständiger Ausfuhrhafen für Kroatien und Ungarn zu füngieren. Abgesehen von der geringen Entfernung, war auch die Verbindung Triest-Görz eine denkbar ungünstige. Fuhrwerke und Reisende aus Görz konnten 165 HHStA Wien, Österreichische Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9, fol. 9' „... e quando non gli riesce ivi prende­re li due Porti Veneti di Rabaz e Porto Longo sono in nécessita di darsi al Mare scorrendo delle volte sino in Ancona ...“. 166 Ebenda, fol. 7' „... onde à necessario all’arrivo de Bastimenti spedirvi Peote ... con perdita di tempo e con spese gagliarde ...“. 167 Ebenda, fol. HO’,,... potendo nel suo Porto Interiore accogliere oggi sei navi mercantili...“. 92

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