Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)
† Peter Gasser: Karl VI., Triest und die Venezianer
Karl VI., Triest und die Venezianer Ausgesprochen ungünstig lautete hingegen ein gleichfalls an Cervelli gerichteter Brief des Kaufmanns Don Lorenzo Antonio Botturini-Benaduci vom 7. November 1731. Für die Triester Fiera sah Botturini keine Erfolgsaussichten, falls sie auch künftighin im August abgehalten werden würde151. Den von Rocci aufgezogenen See- und Flußtransportdienst bezeichnete er als unzureichend, wobei er vor allem auf die Tatsache hinwies, daß die Hafenanlage in Goro den gestellten Anforderungen niemals entsprechen könnte. Botturinis Bedenken hinsichtlich des Augusttermins der Fiera waren aber zweifellos gerechtfertigt. Aus genannten Gründen kam aber ein anderer Termin nicht in Frage. Was das übrige betraf, so hatte Botturini offenbar übersehen, daß die Messe vom August 1730 bestenfalls als eine Generalprobe, nicht aber als die Fiera schlechthin angesprochen werden durfte. Die zweite Fiera in Triest wurde termingemäß von 1. bis 31. August 1731 abgehalten. Über dieses Ereignis hat Johann Anton von Widmann ausführlich berichtet. Die farblosen und sich vielfach widersprechenden Ausführungen spiegeln dabei die Resignation eines Mannes wieder, der vor den ihm unüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten seine innere Kapitulation bereits vollzogen hat. So wird in dem Bericht die Tatsache, daß die Fiera überhaupt abgehalten werden konnte, schon als Erfolg gebucht, die allgemeine Zufriedenheit aller beteiligten Händler zwar unterstrichen, aber auch zugegeben, daß von keiner Seite Messekojen für die nächsten Jahre pränotiert worden wären. Was den Besuch der Messe selbst betraf, so zeigte es sich, daß der seinerzeitigen Mission Benzonis doch einiger Erfolg beschieden war, da zahlreiche Händler aus Mähren und Schlesien persönlich mit ihren Waren nach Triest gekommen waren. Aus Böhmen erschienen nur wenige Kaufleute. Die Beteiligung der Mailänder und der übrigen Lombarden war, dank den Bemühungen Cervellis befriedigend. Worte des Lobes fand Widmann über den Görzer Adel, der sich zahlreich in Triest einge- funden hatte und so der Fiera in gesellschaftlicher Hinsicht einen gewissen Glanz verlieh152. Aus den übrigen Erbländem und dem Reiche war die Beteiligung gering und beschränkte sich auf neugierige Zaungäste. Bedenklich war für die künftige Entwicklung im Litorale die unfreundliche Haltung der Stadt Fiume, deren Wunsch nach Abhaltung einer eigenen Messe nicht entsprochen worden war und deshalb keine Abordnung nach Triest entsendet hatte. Es glänzten durch Abwesenheit die Linzer und Bozener - letztere aus bereits dargelegten Gründen. Nach Salzburg, Augsburg und Nürnberg waren diesbezügliche Einladungen nicht ergangen. Dennoch hatte man mit dem Erscheinen nichtoffizieller Vertreter dieser Städte gerechnet. Möglicherweise lag ihr Fernbleiben in der hohen Maut zu Rottenmann oder in der Rücksicht auf Bozener Geschäftspartner begründet. Mangelhaft war auch der Besuch aus Wien. Daß nur wenige Kauffahrer aus Sinigaglia nach Triest gekommen 151 HHStA Wien, Österreichische Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9, fol. 396' „... la Fiera di Trieste nel mese d’Agosto, tempo simpliciter inadeguato, rende più che certo che dopo la Fiera di Senigallia quella di Trieste mai piglierà fiato ...“. 152 Ebenda, fol. 427v „... furono lodati gli Goriziana d’aversi segnalato frequentando la fiera, principal- mente la Nobilita.“ 87