Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

Fritz Prasch: Spuren der österreichischen Industrialisierung in Archiven und Bibliotheken

Fritz Prasch tätig, die u. a. 152 Dampfmaschinen (ohne Lokomotiven und Dampfschiffe) erzeugt hatten52. Die Eisenbahnen resultierten aus drei Wurzeln: 1) dem Bedarf an einem effiziente­ren, auch in entlegene Regionen reichenden Landverkehrsmittel, das durch 2) den Bau der notwendigen Strecken und 3) der tauglichen Fahrzeuge (besonders der Lo­komotiven) geschaffen werden mußte. Hier erreichte die Monarchie Leistungen, die als einzige in allen technikgeschichtlichen Arbeiten angeführt sind, den Bau der Semmeringbahn und die Gebirgslokomotive Wilhelm Engerths. Weniger bekannt sind die in österreichischen Quellen gut dokumentierten Techniker Matthias Schöne­rer, Hermengild Francesconi, Alois Negrelli - als Eisenbahningenieur - und der oben erwähnte John Haswell. Mit Ausnahme des schottischen Maschinenbauers schlug der Hofkammerpräsident Karl Friedrich Freiherr v. Kübeck die anderen Kai­ser Ferdinand Ende des Jahres 1841 als „Vorsteher der k. k. technisch-admini­strativen Generaldirektion für die Staatseisenbahnen“ vor53. Auf den Posten des Vorstehers wurde Francesconi berufen, der als Beamter des „k. k. Hofbaurathes“ bereits im Staatsdienst stand und sich als Straßenbauer qualifi­ziert hatte54. Ihm oblag auch die Auswahl des weiteren Personals der ersten Eisen­bahnbehörde der Monarchie55, deren zunächst größte Aufgabe die Überschienung des Semmerings, den man nicht über ungarisches Gebiet umfahren wollte, darstellte. Die Südbahn war 1842 bis Gloggnitz und 1844 von Mürzzuschlag bis Graz eröffnet worden, was auf Vorschlag Kübecks für etliche Techniker der Staatsbahn (darunter Carl Ghega) und Regierungsbeamte Beförderungen und Belohnungen, für die Bau­firma Talachini eine Auszeichnung einbrachte56. Fünf Jahre vorher hatte Schönerer, der seine Laufbahn bei der Pferdeeisenbahn Linz-Budweis begann, an einer Steilrampe zwischen Wien-Süd- und -Ostbahnhof gezeigt, daß auch Steigungen über 20 %o im Adhäsionsbetrieb (ohne Zahnstange oder Seilzug) mit Dampfloks zu bewältigen sind57. Alle diese Vorarbeiten resultier­ten im Bau einer der eindrucksvollsten Bergbahnen, die heute noch als Meilenstein der Entwicklung gilt und die als Teil des entstehenden Eisenbahnnetzes einen zur Industrialisierung unerläßlichen Beitrag leistete. Einen anderen Niederschlag, der ebenfalls Spuren der Industrialisierung beinhal­tet, fanden die Leistungen der Protagonisten in zahlreichen Erhebungen in den Adelsstand der Monarchie, die von den Genannten Schönerer, Francesconi, Ghega und Negrelli, nicht aber Haswell zuteil wurde. S 1 o k a r : Geschichte der österreichischen Industrie, S. 620 bis 623. 53 ÖStA, AVA Wien, Verkehrsarchiv, ZI. 24 EP ex 1842 vom 21. Dezember 1841. 54 Mechtler, Paul: Hermengild Francesconi - ein Österreicher aus Venetien. In: Österreich in Geschichte und Literatur. 18 (1975), S. 74—85. 55 Karigl, Helmut: Personalaufnahmen bei der Generaldirektion für die Staatsbahnen (1842-1848). In: Scrinium 43 (1990), S. 152-161. 56 ÖStA, AVA Wien, Verkehrsarchiv, ZI. 1529 EP ex 1844. 57 ÖStA, AVA Wien, Verkehrsarchiv, ZI. 1357 EP ex 1844. 148

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