Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

Fritz Prasch: Spuren der österreichischen Industrialisierung in Archiven und Bibliotheken

Spuren der österreichischen Industrialisierung in Archiven und Riblmtheken Zeichnungen wesentlich, deren Ausführung jedoch nicht immer den heutigen An­schauungen entspricht. Die Zeichnung als Mittel zur gegenständlichen Darstellung hat eine nahezu tausendjährige Geschichte hinter sich29 und war ebenso wie die dar­gestellten Bauwerke und Maschinen einer steten Änderung unterworfen. Genauso wie der Textteil, die Beschreibung, der zu privilegierenden Neuerung, geben auch die den Ansuchen beiliegenden Zeichnungen der Privilegiensammlung im Archiv der Technischen Universität Wien davon ein sehr bildhaftes Zeugnis. 4. Die Privilegiensammlung des Archivs der Technischen Universität Wien Zur Beurteilung des östereichischen Industrialisierungsausmaßes sind die Privile­gien zwar unerläßlich, aber nicht ganz ausreichend. Für den Techniker wird die fehlende oder bestenfalls spärliche Bemaßung (Kotierung) der Zeichnungen einen Mangel bedeuten, die Verwendbarkeit der Inno­vation wird davon kaum berührt, da die Beurteilung der Brauchbarkeit auch aus nicht kotierten Ansichten und Schnitten möglich ist. Der Kommerzielle wird nach der Rentabilität, nach dem Absatz der neuen Ware fragen und danach auf den Ge­samtwert abstellen. Der Dritte, der Historiker, hat, soweit es in seinem Bereich liegt, die Argumente beider Gruppen zu vereinen. Die Privilegien im Archiv der Techni­schen Universität Wien bieten für diese Absicht geeignete Ansätze, u. a. den Stein­druck Senefelders, die Lenkung des Griffith’sehen Dampfführwerks den „Bastard­kolben“ Franz Xaver Guggs und den Pflug Severin Zugmayers, um österreichische Ideen zu zeigen. Gugg und Zugmayer sind Österreicher im engeren Sinn, von dem Engländer Julius Griffith ist außer seinem Wiener Wohnort nichts bekannt und der 1771 in Prag geborene Aloys Senefelder erfand den Steindruck, die Lithographie, in München, wo er 1799 vom bayrischen Kurfürsten ein Privileg auf 15 Jahre erhielt. 1801 erhielt er das zweite in der Kaiserstadt verliehene Privileg, zu dem leider die Beschreibung zu den drei vorhandenen, aber mäßig aufschlußreichen Zeichnungen fehlt. Senefelders Wiener Aufenthalt dauerte nur von 1800 bis 1806, nach welchen Jahren er nach München zurückkehrte, wo er 1834 starb30. Die Konstruktion des Dampfführwerks, für das der in Wien wohnende Engländer Julius Griffith 1821 ein Privileg erhielt31, ähnelte dem bereits um 1770 gebauten Dampfwagen des Franzosen Nicolas Joseph Cugnot (1725-1804), hatte jedoch nicht den wichtigsten Teil der Griffith-Konstruktion, die Lenkung, deren Erfindung be­reits 1815 deutschen Ingenieuren zugeschrieben wird32. Es ist nicht auszuschließen, daß die in der Beschreibung der Erfindungen mit abgelaufener Privilegiendauer genannten Konstruktionen wegen der nicht gelungenen Nutzung dort zu finden sind. 29 Nedoluha, Alois: Kulturgeschichte des technischen Zeichnens. Wien 1960, S. 182. 30 TUWA, Priv. Nr. 143. Kl einde 1, Walter: Das große Buch der Österreicher. Wien 1987, S. 498. 31 Anhang, Abb. 4 nach: TUWA, Priv. Nr. 341. 32 Eckermann, Erich: Vom Dampfwagen zum Auto. Reinbek bei Hamburg 1984, S. 30 und 214. 141

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