Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

† Peter Gasser: Karl VI., Triest und die Venezianer

Peter Gasser anfallenden Verpflegskosten noch zusätzliche Verdienstmöglichkeiten erschlossen175. Auch an den Rückfahrten verdienten die Venezianer erheblich, da diese nicht leer, sondern zum Leidwesen der Friauler Weinhauer mit der bei Conegliano gezogenen Produktion beladen nach Innerösterreich zurückrollten. Diesen Zustand fand Stefano Grenna unerträglich, da dem kaiserlichen Ärar Einnahmen vorenthalten wurden und die inländischen Handels- und Gewerbetreibenden, wie Fuhrwerker und Gastwirte, so gut wie keinen Anteil an dem einträglichen Eisentransportgeschäft hatten. Der Triestiner Merkantilist regte daher die Umleitung der Kärntner Eisenausfuhr über Laibach nach Triest an. Auf dieser Strecke waren zwar höhere Frachtspesen als bei dem über Udine geleiteten Transporte zu erwarten, aber diesen Nachteil, der auf den prekären Zustand der von Kärnten nach Krain führenden Straßen zurückzufiihren war, glaubte Grenna durch den Wegfall der an Venedig zu entrichtenden Abgaben mehr als wettmachen zu können. Seinen Berechnungen zufolge konnte das Kärntner Eisen billiger über Triest als über Venedig den ausländischen Konsumenten zuge- fiihrt werden. Der österreichische Schiffsraum reichte zur Versorgung der weit entfernt gelege­nen Märkte in keiner Weise aus. Die Möglichkeit, die in Triest eingelangten Produk­te auf Küstenfahrzeuge zu verladen und nach Venedig zu bringen, von wo die ei­gentliche Beschickung der Märkte erfolgen sollte, war zwar gegeben, aber sie hätte Venedig als Hauptexport- und Umschlagplatz der innerösterreichischen Hüttenpro­duktion bestätigt und darüber hinaus, durch die in Triest notwendig gewordenen Umladungen, eine erhebliche Verteuerung der Transportkosten verursacht. Es ist nicht auszuschließen, daß der Triestiner auf diese unbefriedigende Lösung nur in der Absicht hingewiesen hat, um seinen diesbezüglichen Vorschlägen nachhaltigen Eindruck zu verleihen. Diese setzten vielmehr die Etablierung kapitalkräftiger Han­delshäuser in Triest zur Übernahme des Kärntner Eisens voraus, das dort von vene­zianischen Frachtern übernommen werden sollte. In die Funktion eines Schiffs- raumlieferanten zurückgedrängt, sollte Venedig auch diese Aufgabe, so bald wie möglich, der erstarkten österreichischen Handelsschiffahrt überlassen und schließ­lich völlig von diesem einträglichen Geschäft ausgeschaltet werden. So sah Stefano Grenna nicht nur in Triest, sondern auch für das Land Krain und für die Grafschaft Görz eine blühende Konjunktur heranreifen. Triest werde als alleiniger Exporthafen der innerösterreichischen Eisenproduktion eine überragende merkantile Bedeutung erlangen und, was diesen einschlägigen Handel betreffe, den Venezianern seine Bedingungen diktieren können, da Venedigs Handel auf die innerösterreichischen Produkte angewiesen war176. HHStA Wien, Österreichische Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9, fol. 106’ „... tutti Ii ferri ed acciai crudi e manofatti incaminati per Villaco, appena di la per distanza di poche ore sortiti toccano il territorio vene­to ... ed in conseguenza di cio si esigono dalla Republica moite gabelle, e li di Lei Vassali godono le con- dotte, foraggi d’animali, consumo de comestibili, ed attirano il danaro nelli suoi Stati ...“. Ebenda, fol. 108' „... non essere i Veneti in caso di tirar d’altrove le ferrarezze per esempio dà Brescia, appunto per la dolcezza di quel ferro, che non è confacente a moite sorti di lavoro, come il carintiaco ...“. 96

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