Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

† Peter Gasser: Karl VI., Triest und die Venezianer

Peter Gasser venezianischem Muster empfahl170. Das Görzer Holz könnte, unter Ausnützung des Isonzo bis zu dessen Mündung bei Monfalcone geflößt und von dort nach kurzer Seefahrt nach Triest gebracht werden. Die Weiterführung des Schiffbaus in Porto Rè führte Stefano Grenna auf die Propaganda Venedigs zurück, wonach Triest als Werftplatz ungeeignet wäre. Nichts befürchte die Republik mehr, so der Verfasser des Sodo sistema, als die Konzentrierung von Seehandel und Schiffbau in Triest171. Für den Entschluß, die staatlichen Werften auch weiterhin in Porto Rè zu belassen, war aber wohl diese venezianische Propaganda kaum ausschlaggebend. Entschei­dend waren hier militärisch-strategische Erwägungen. Die Möglichkeit, einen zur See übermächtigen Gegner bekämpfen zu müssen, war wieder in bedenkliche Nähe gerückt. Man erinnerte sich in Wien, daß 1702 der französische Admiral Forbin Triest und nicht Porto Rè oder Fiume mit seinen Schiffsgeschützen heimgesucht hatte. Nicht nur „gedeihliche Privilegien und Freyheiten“, wie etwa Steuererleichterun­gen, sondern auch angemessenen Wohnraum hatten die kaiserlichen Patente vom 2. Juni 1717 und 18. März 1719 den fremden Kaufleuten, Gewerbetreibenden und Handwerkern im Falle einer Übersiedlung nach Triest oder Fiume in Aussicht ge­stellt. In einem Handschreiben vom 19. Dezember 1725 kam Karl VI. ausführlich auf diese Versprechungen zurück, die er noch dahingehend erweiterte, daß den an­siedlungswilligen Handels- und Gewerbetreibenden die freie Einführ ausländischer Weine zur Deckung ihres persönlichen Bedarfes gestattet werden sollte172. Ungeachtet dessen erfüllten sich die Erwartungen nur in geringem Ausmaße. Frei­herr von Widmann, der sich im Jahre 1731 anläßlich der Fiera von der mangelhaften Ansiedlungsbereitschaft der Fremden an Ort und Stelle persönlich überzeugen konnte, führte dies darauf zurück, daß das Triestiner Patriziat an der merkantilen Entwicklung der Stadt völlig desinteressiert war und einem ansiedlungswilligen fremden Großhändler nicht mehr Rechte als einem durchziehenden Marktlieferanten einräumen wollte173. Wiederholt drängte Widmann auf die Modifizierung der in der Vergangenheit der Gemeinde zugestandenen Rechte, da ohne Veränderungen der lokalen Wirt­schaftsstruktur die den Fremden in Aussicht gestellten Freiheiten und Privilegien niemals in die Tat umgesetzt werden könnten. Widmann empfahl auch, das Augen­merk nicht so sehr auf die Ausländer, zu denen er indirekt auch die niederländischen HHStA Wien, Österreichische Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9, fol. 154' „Vi sono di più in Puglia nel Monte dell’ Angelo boschi copiosi di roveri abili alia fabrica delle Navi ...“. Ebenda, fol. 141" „Teme anco la Republica, che unito in Trieste il Commercio con la Fabrica delle Navi non si dilati quella Città ... Riflettono anche li Veneziani, ehe fabricati molti Bastimenti, e Barche non li lascieranno oziose in Porto ...“. Ebenda, fol. 280“ lind 281' „... Inoltre abbiamo insinuato alla nostra Città di Trieste, affine non présuma d’in alcun conto impedir à simili domicilati Negozianti, Manifatori et Artefici l’introduzione de vini forastieri, nella quantità, che tengono bisogno per loro casa ...“. Ebenda, fol. 440" „... è ch’ognuno ben condizionato negoziante già stabilito altrove colla sua sostanza e fondi abbominerà di stare sotto, il Regimine di Triestini... che non potere dare ad un simile famoso Ne­goziante piè liberté, che ad un’altro trasmigrante bottegaro forastiere ordinario ...“. 94

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