Sonderband 2. International Council on Archives. Dritte Europäische Archivkonferenz, Wien 11. bis 15. Mai 1993. Tagungsprotokolle (1996)

2. Session /Séance. Regional (trans-border) Cooperation / Coopération régionale (transfrontaliere) - Discussion / Interventions

2. Session/Séance: Discussion - Interventions gemeinschaft der Alpenländer ARGE Alp und die ARGE Alpen-Adria. Die Arbeits­gemeinschaft der Alpenländer hat eine Integration archivischer Probleme in die In­stitutionen; eine eigene Kulturkommission beschäftigt sich mit archivischen Fragen; es gibt eine ständige Konferenz aller Archivdirektoren der an der Arbeitsgemein­schaft beteiligten Länder und Regionen. Auf der anderen Seite hat die Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria keine Institu­tionalisierung der archivischen Zusammenarbeit. Wenn man jetzt die Ergebnisse dieser Voraussetzungen vergleicht, so stellt man fest, daß offensichtlich in der Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria ohne archivische Institutionalisierung wesentlich mehr konkrete Zusammenarbeit geleistet wird, wesentlich mehr konkrete Arbeits­ergebnisse vorliegen, als in der über-institutionalisierten Form der ARGE Alp. Es stellt sich also die Frage, ob politische Rahmenbedingungen, institutioneile Voraus­setzungen überhaupt notwendig sind, um effektive archivische Arbeit leisten zu können, oder ob nicht die Motivation der Archivare im unmittelbaren Kontakt größer ist, wenn diese politischen Rahmenbedingungen nicht hemmend, zumin- destens in dem Sinne hemmend wirken, daß ununterbrochen koordiniert und abgestimmt werden muß. Ich würde also für die weitere Diskussion einmal diese Frage in den Raum stellen. Brauchen wir denn immer den politischen Rahmen? Sollten wir nicht selbst als Archivare aktiv werden? Dies würde dann an den Anfang des heutigen Tages und die Ausführungen von Herrn Sturm zurückführen. Klaus Oldenhage: Es ist vielleicht unglücklich, daß ein Landsmann von Herrn Rumschöttel jetzt anschließend spricht, aber ich bin ebenso dieser Meinung und fühle mich deswegen verpflichtet, zu dem OMGUS-Projekt {The American-German Joint Venture to select and describe the Occupational Records of United States for Germany after 1945) einige grundsätzliche Bemerkungen zu machen, warum nach meiner Auffassung dieses Projekt nur mit dem vergleichbaren amerikanisch­japanischen Projekt und den österreichischen Bemühungen verglichen werden kann und nicht mit italienischen Problemen, weil es sich hier eindeutig um eine Be­satzungsverwaltung gehandelt hat, die alle politischen, hoheitlichen Befugnisse ausübte und ohne deren Zugänglichkeit deutsche Geschichte zwischen 1945 und 1949 nicht beschrieben werden kann. Dieses Beispiel zeigt, daß nach verhältnismäßig kurzer Zeit ehemalige Feinde in einer Weise Zusammenarbeiten können, für die ich mein Leben lang dankbar bleibe. Es gibt nichts Schöneres, als in den Akten einer fremden Macht - nach weniger als 30 Jahren vor Ablauf der üblichen Sperrfrist - das eigene Vaterland wenigstens zum Teil wiederzufinden. Und insoweit war es richtig und wichtig, daß Amerikaner und Deutsche sich hier zusammengefimden haben, weil die Prioritätensetzung auf amerikanischer Seite nie so hätte sein können, daß diese Besatzungsakten erste Priorität gehabt hätten. Das haben wir ja auch mit unseren Besatzungsakten nicht gemacht. In diesem Sinne ist das Beispiel, glaube ich, mit anderen nicht zu ver­gleichen und ich möchte deswegen auch mit einem englischen Ausdruck schließen: „It was unique“. 200

Next

/
Thumbnails
Contents