Jürgen Pohl: Sonderband 1. „Die Profiantirung der Keyserlichen Armaden ahnbelangendt” – Studien zur Versorgung der kaiserlichen Armee 1634/35 (1989)

B2 Die Ernährung in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges - Ernährung

B2 DIE ERNÄHRUNG IN DER ZEIT DES DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGES1 Wolfgang Hohl ERNÄHRUNG Was die Soldaten der kaiserlichen Armee an Lebensmitteln brauchten, kann nur vor dem Hintergrund der Ernährungsgewohnheiten zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges beurteilt werden. Dabei wird auf den Ak- kerbau und die Tierhaltung eingegangen. Der Bereich des Gartenbaus (Obst und Gemüse) muß ausgeklammert bleiben, weil sich darüber in der Literatur keine zusammenfassende Darstellung findet. In einem späteren Kapitel der Arbeit werden noch genaue Berechnungen über die Energie- und Vitaminversorgung der Soldaten angestellt werden (s. S. 67). In der Zeit, mit der sich diese Arbeit beschäftigt, waren nach Lerner „neben der pflanzlichen Rohkost Brei oder Mus die Grundlage der All­tagskost. Brot und Bier stellen nur Abwandlungen davon dar. Fleisch und Fisch dagegen waren stets nur Zukost. ... In (den) ... Speisefolgen kehrt in eintöniger Reihe der Brei wieder, bald aus Gerste oder Hirse, aus Haferflocken oder Mehl, in feinerer Form aus Buchweizen oder gar Reis. Nicht minder häufig erscheinen in diesen Speisefolgen Erbsenbrei, weniger Linsen und Bohnen. Dazu kommen als Zukost getrocknete Früchte wie Pflaumen oder Äpfelschnitzen, die mitgekocht werden. Sauerkraut und Rüben stellen eine Abwechselung dar, die bereits sai­songebunden ist. Zwiebeln waren neben Weißkraut ein Hauptprodukt der Gärtner, vermutlich wurden sie auch von Selbstversorgern ange- baut2 3.“ Abel weist darauf hin, daß am Ende des 16. Jahrhunderts der Weinkonsum zurückging. „Den Aufschwung der Biererzeugung be­gleiteten die Klagen über den Rückgang des Weinbaus, und hier wie da mit den gleichen Gründen, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Bier er­setzte den Wein, wozu auch die Fürsorge städtischer und territorialer Gewalten, technische Neuerungen und geschmackliche Ver­besserungen beigetragen haben mögen. Doch ein entscheidender Grund waren die Preise. Wein war teurer als Bier1.“ Über Brot weiß Abel 1) Dieses Kapitel orientiert sich in seiner Darstellung an: Wilhelm Abel, Geschichte der deutschen Landwirtschaft vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, in: Deutsche Agrargeschichte, hg. v. G. Franz, Bd. 2, S. 216-265. 2) Lerner, Franz, Die Bedeutung des internationalen Ochsenhandels für die Fleischversorgung deutscher Städte im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit. In: In­ternationaler Ochsenhandel (1350-1750), Akten des 7th International Economic Hi- story Congress, Edinburgh 1978. Hg. v. Ekkehard Westermann. Bamberg 1979, S. 206 f. 3) Abel, Wilhelm, Stufen der Ernährung, Eine historische Skizze. Göttingen 1981, S. 53. 46

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