Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

4 Quellen- und medienkritische Erläuterungen

Industrie und geselliges Leben“.153 Herausgegeben und gedruckt wurde das Blatt bei Carl Werfer in Kaschau und erschien zweimal wöchentlich. Als Redakteure und Mitarbeiter sind vor allem folgende Personen zu nennen: J. Lengvarszky ab Nr. 46 (1854); ab Nr. 57 (1855) wird kein Redakteur angeführt; ab Nr. 31 (1856) erscheint als verantwortlicher Redakteur A. Blaschke. Als rich­tungsbestimmend hinsichtlich der nationalen Ausrichtung des Blattes erweist sich ab Nr. 90 (1860) László Klestinszky als Hauptmitarbeiter (ab 1861 wiederum kein Hauptmitarbeiter angeführt). 1848 erschienen in Kosice die meisten Nachrichten in den Blättern Werfers.154 Dieser hatte jedoch keine Kaution für politische Nachrichten hinter­legt, so dass er sich nicht mit politischen Fragen befassen konnte. Nach den Misserfolgen mit seinen anderen Blättern (etwa mit der Oberungarischen Zeitung) begann Werfer, sein Kundschaftsblatt auszubauen. Seit dem 1. Juni 1852 erschien es wieder mit ungarischem Untertitel. Das Format und der Umfang wurden vergrößert und ein Feuilleton eingeführt. 1856 begegnet schon die gewohnte Einteilung der Rubriken. Die Veränderung der innenpolitischen Situation Ende 1860 bedeutete auch eine Veränderung für die Werferschen Zeitungen. Mit Klestinszky als Hauptmitarbeiter bekam die Zeitung - abgesehen von den wirtschaftlichen Teilen - einen eindeutig magyarischen Einschlag. Die Abnehmer jedoch nahmen dies sehr negativ auf und ihre Zahl sank stark. Durch diese Entwicklung ernüchtert war Werfer bemüht, seine deutschen Zeitungen zu erhalten, unbeeinflusst von der innenpolitischen Situation. Darüber hinaus ver­suchte er auch, eine ungarische Zeitung herauszugeben, oder zumindest eine ungarische Beilage. Dies verwirklichte sich allerdings nicht und so erschienen seit 1861 weiterhin Beiträge in ungarischer und deutscher Sprache vor allem aus den kulturellen Bereichen (Theaterkritiken). Seit 1867 kam die Zeitung wiederum ausschließlich in deutscher Sprache heraus. Dies auch deswegen, da in der Werferschen Druckerei ab 1865 die ungarische Wochenschrift „Felvidék“ erschien und seit 1866 Werfer selbst das ungarische Wochenblatt „Abaujmegyei Közlöny“ herausgab155. Während seiner ganzen Existenz wurde das Kundschaftsblatt nie offen Organ irgendeiner poli­tischen Partei. Im Grunde jedoch sei es immer der Politik der regierenden Partei gefolgt.156 Alle Werfers rekrutierten ihre verantwortlichen Redakteure für gewöhn­lich stets aus dem Kreis der Angestellten der Druckerei respektive der Administration (so Blaschke (1852-1869), Gustav Urban (1869-1877) u.a.). 153 Štatna vedecká knižnica, Košice; Nationalbibliothek Budapest. Der ursprüngliche Titel lautete: "Das Kaschauer Kundschaftsblatt“. Ab dem 1. Januar 1839 erschien das Blatt mit dem Zusatz „Eperjeser“ im Titel, ab 1842 zweisprachig, dann mit dem Untertitel „Kassa-Eperjesi Értesítő“. Im Jahr 1865 kam der Untertitel hinzu und ab 1872 hieß die Zeitung schlicht „Kaschauer Zeitung“. 154 Potemra (1963) S. 43. 155 Potemra (1963) S. 66. 156 Potemra (1963) S. 161. 78

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