Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

3 Die historische Entwicklung Ungarns und seiner Bevölkerung innerhalb des Hagsburgerreiches

sowie den einschlägigen Bänden der u.a. von Peter Urbanitsch herausgegeben Publikation „Die Habsburgermonarchie 1848-1918"33. Gerade im 19. Jahrhundert bemühten die Magyaren das Ereignis ihrer Landnahme im Karpatenbecken 895/896 als Beweis für die Eroberungs­fähigkeit des magyarischen Stammes. Nachdem die dortigen Slawen unterwor­fen waren, unternahmen sie Eroberungszüge bis nach West- und Südeuropa, bis sie schließlich nach der verlorenen Schlacht gegen Otto I. im Jahre 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg im Karpatenbecken sesshaft wurden. Fürst Géza (972-997) aus dem Geschlecht der Arpaden unternahm es erst­mals, sein Land den westlichen Ländern und Dynastien zu öffnen, empfing christliche Missionare und Ritter zur Reorganisation seines Militärs. Familienbindungen knüpfte er mit Polen, Bulgarien und vor allem Bayern, indem er seinen Sohn und Nachfolger Stephan mit Gisela, der Tochter Herzog Heinrichs II. von Bayern verheiratete. Sein bereits christlich erzogener Sohn Stephan hingegen war es, der im Jahr 1000 zum König der Ungarn gekrönt wurde und das Land zu einer christlichen Monarchie nach westlichem Vorbild ausbaute. Er holte sich erstmals systematisch sogenannte „Gäste" ins Land, die sowohl die Wirtschaft als auch die Verteidigung des Landes unterstützen sollten. Bedeutend wurden vor allem die deutschen Siedlungen in Siebenbürgen und der Zips. Eine entscheidende Rolle spielte in der ungarischen Geschichte stets der Adel. Seine Politik, die eigenen Interessen zu vertreten, prägte zum einen das Verhältnis zu den eigenen Herrschern - seit dem 16. Jahrhundert zur Dynastie der Habsburger - wirkte sich in bedeutendem Maße aber auch auf die eigene, vor allem nichtadlige und nichtmagyarische Bevölkerung aus. Grundlage der adligen Freiheiten in Ungarn, die die Geschichte des Landes und seiner Bewohner so außerordentlich bestimmten, bildete die Goldene Bulle aus dem 13. Jahrhundert, die 1351 von König Ludwig I. bestätigt wurde. Im Laufe der Zeit bauten der Adel, aber auch besonders privilegierte „Gäste“ des Landes ihre Macht vor allem in den Komitaten aus und entwickelten sich zu einflussreichen Ständen - „Nationen" genannt - die seit der Mitte des 13. Jahrhunderts auf den Reichstagen über Gesetze und Steuern entscheidend mitbestimmten. Mit Sigismund von Luxemburg (1387-1437) erfuhr Ungarn entscheidende Impulse in Bezug auf die eigene Position in Europa und die Verbindungen zu europäischen Herrscherhäusern. Er brachte Ungarn in Personalunion mit Böhmen, wo er seit 1419 König war, sowie mit dem römisch-deutschen Reich, dem er seit 1410 als König und 1434 als Kaiser Vorstand. Am Ende seiner Herrschaft stand kein männlicher Erbe mehr bereit, was eine weitere Festigung des Königswahlrechtes zur Folge hatte. Die Nachfolge Sigismunds 33 Hier vor allem Band II „Verwaltung und Rechtswesen", hrsg. von Adam Wandruszka und Peter Urbanitsch, Wien 1975 sowie Band VII „Verfassung und Parlamentarismus“ 1. Teilband „Verfassungsrecht, Verfassungswirklichkeit, Zentrale Repräsentativkörperschaften", Wien 2000. 30

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