Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

2 Methodische und analítische Grudnlagen

Gründung slowakischer Schulen oder der „Matica Slovenská“ auch Erfolge erzielt, jedoch beschränkten sich die Errungenschaften meist auf den sprach­lich-kulturellen Bereich, die politischen Forderungen wie diejenige nach einer weitgehenden Autonomie blieben innerhalb des ungarischen Königtums uner­füllt. Auch vermochten es die slowakischen Repräsentanten der Zeit nicht, ein entsprechendes nationales Bewusstsein - entsprechend der Phase C - in der Masse zu etablieren. Für den beobachteten Zeitraum blieben die Slowaken hin­sichtlich der politischen Ziele gespalten, was sich vor allem nach dem Martiner Memorandum von 1861 zeigte. Hroch unterscheidet in seinem Modell weiter nationale Bewegungen, die schon während der frühen Phase B noch vor dem kulturellen ein politisches Programm mit entwickelten. Iren, Norweger, Schotten, Polen, Griechen oder Serben gehörten dieser Gruppe an.31 Die Slowaken jedoch werden einer zweiten Gruppe zugeordnet, die in Phase B zunächst das sprachlich-kulturelle Programm vorantrieb. Erst die Phase C, die hier allerdings erst mit dem 20. Jahrhundert begann, war auch durch ein politisches Programm geprägt. Weiter sind zu dieser Gruppe auch Slowenen, Esten, Letten, Kroaten, Flamen oder auch die Tschechen zu rechnen. Zu dieser zweiten Gruppe zählt Hroch auch solche Bewegungen, die zunächst zwar schon ihr sprachlich-kulturelles Programm entwickelten, jedoch auch schon in dergleichen Phase B politische Forderungen aufstellten. Zu dieser Gruppe gehörten Katalanen, Bulgaren und nicht zuletzt auch die Magyaren. Hrochs Modell bietet also die Möglichkeit, nicht nur die nationale Entwicklung der Slowaken sinnvoll zu strukturieren, sondern auch die magyarische National­bewegung lässt sich mit seiner Hilfe beleuchten und macht beide Entwicklungen in gewisser Weise vergleichbar. Freilich zeigt sich sofort ein entscheidender Unterschied, der zugleich zu einer weiteren wichtigen Unterteilung bei Hroch führt. Die Slowaken wurden bereits im 19. Jahrhundert mitunter als „geschichts­loses“ gegenüber dem „historischen“ Volk der Magyaren bezeichnet, das seit dem 11. Jahrhundert über einen eigenen Staat verfügte. Auch wenn diese Unterscheidung heute so nicht mehr akzeptiert wird, führte sie doch im 19. Jahrhundert unweigerlich zu unterschiedlichen Argumentationen innerhalb der politischen Forderungen der einzelnen Völker. Die politischen Programme unter anderem der Slowaken konnten sich auf keine eigenen staatlichen Traditionen stützen und waren auf den Abruf ethnischer Traditionen oder auch Mythen angewiesen. Demgegenüber konnten Völker, die auf wenn auch überkommene staatliche Traditionen zurückblickten, mit Blick auf ihre verlorene politische Unabhängigkeit argumentieren. Dies kennzeichnete unter anderem die pol­nische, tschechische oder auch kroatische nationale Bewegung. Dements­prechend konnten die Magyaren also mit Blick auf ein ganz konkretes, historisch definiertes Territorium argumentieren, ungeachtet der Tatsache, dass neben Magyaren - die nicht die Mehrheit stellten - auch andere ethnische Gruppen auf 31 Hroch (1998) S. 19. 27

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