Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2003-2004 - Acta Ethnologica Danubiana 5-6. (Dunaszerdahely-Komárno, 2004)

Tanulmányok - Székely Zoltán: Középkori képoszlopok Győrött

Acta Ethnologica Danubianu 5-6 (2003-2004), Komátrom—Komárno Mittelalterliche Bildstöcke in Raab* Zoltán Székely Unter den sakralen Kleindenkmälern des Mittelalters stellen die Bildstöcke das wohl charak­teristischste Beispiel dar. Die ersten Exemplare dieses Typs wurden im 13.-14. Jahrhundert in deutschsprachigen Gebieten aufgestellt, wo sie sich auch in erster Linie verbreiteten, und zwar in den österreichischen Ländern, in Bayern, in Schwaben und Franken, im Rheinland und in Westfalen sowie in Schlesien (Liszka 2000, 28). In Deutschland und Österreich stehen auch heute noch zahlreiche solcher Säulen an ihrem ursprünglichen Platz. Während der gesamten Zeit des Ungarischen Königtums im Mittelalter gab es sehr leb­hafte Kontakte mit dem Deutschen Reich bzw. mit dessen verschiedenen geografischen Regionen. Die Ausdehnung der beiderseitigen Beziehungen erstreckte sich gleichermaßen auf Politik, Wirtschaft und Kultur. Eine herausragende Rolle bei diesen Verbindungen spiel­te das in ungarischen Städten niedergelassene deutsche Bürgertum, welches zahlreiche aus der alten Heimat mitgebrachte Bräuche auch in der neuen Heimat pflegte und diese heimisch machte. Gelegentlich wurden von dieser Schicht auch jene kulturellen Impulse vermittelt, die zur Erscheinung der Bildstöcke auf ungarischem Gebiet führten. Gegenwärtig ist noch nicht deutlich auszumachen, in welchem Maße die Ausbreitung der Bildstöcke im mittelalterlichen Ungarn erfolgte: Vornehmlich ist uns nur eine einzige Den­kmalgruppe bekannt, die in Sopron bzw. in der weiteren Umgebung der Stadt - Nagymarton, Fertőszéleskút, Nagysitke (Csemegi 1941, 190) - erhalten geblieben ist. Diese Gruppe ist jedoch nicht einheitlich, liegen zwischen den einzelnen Stücken doch Jahrhunderte, außer­dem weisen sie in Aufbau und Erscheinung Unterschiede auf. Am besten aufgearbeitet und erfaßt sind die Monumente in Sopron. Von den an den stadtauswärts führenden Straßen ste­henden, einst sakralen Kleindenkmälern sind drei Exemplare bis in unsere Zeit erhalten geb­lieben. Beim ältesten handelt es sich um das Rastkreuz, welches um 1300 angefertigt wurde und an der nach Balf führenden Straße steht (Csemegi 1941, 192). Das im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts aufgestellte gotische Leonardkreuz stand ursprünglich in der Nähe des P6- eser Tores an die Stadtmauer gelehnt (Csemegi 1941, 192). Das Bäckerkreuz oder Kreuz am Anger ist ebenfalls ein gotisches Stück, welches durch die eingemeißelte Jahreszahl 1484 datiert ist : Auch hier handelt es sich um eine sekundäre Plazierung, ursprünglich befand sich die Säule an der nach Nemesküt führenden Straße (Perger 1993, 360-362). In der bisher erschienenen Fachliteratur hat man sich vor allem mit der Funktion und zum Teil mit der Herkunft der Bildstöcke beschäftigt. Es wurde auf die österreichischen Wurzeln * Der vorliegende Text wurde am II. Mai 2002 auf der 15. Internationalen Tagung für Kleindenkmalforseluing in Komorn vorgetragen. 97

Next

/
Thumbnails
Contents