Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2003-2004 - Acta Ethnologica Danubiana 5-6. (Dunaszerdahely-Komárno, 2004)

Tanulmányok - Perger Gyula: A kisemlékkutatás történeti forrásai

Acta Ethnologien Danubianet 5-6 (2003-2004), Komárom—Komárno Historische Quellen zur Klcindenkmalforschung* Gyula Perger Die Mehrheit der in Ungarn publizierten Abhandlungen über sakrale Kleindenkmäler sind typologische, ikonographische Untersuchungen oder Beschreibungen der Wegkreuze, Statuen, Kapellen einer Gemeinde oder Region (Askercz 1973; Szilágyi 1980; Szilágyi 1992; Szilágyi 1997; Tüskés 1980; Réthelyi 1984; Fekete 1984 usw. Bibliographischer Überblick der einschlägigen Literatur: Liszka 2000). Diese Art der Analyse entsteht dadurch, daß die meisten Forscher, die sich dem Thema widmen, Kunsthistoriker oder Volkskundler sind. In ihren Arbeitsmethoden entdecken wir die Dominanz der klassischen Methodik. Die Tatsache, daß die historische, das heißt auch eine komplexere Analyse in der Klein­denkmalforschung in Ost-Mittel-Europa keine (oder nur wenig) Tradition hat, hat politische und technische Hintergründe. Die zentralen Quellen des Themas liegen in den Kirchenarchiven, deren Rechtslage sich seit dem Zweiten Weltkrieg mehrfach geändert hat. Früher konnte die Kirche unter gleichen Umständen, wie auch die Verwaltung und das Rechtswesen, Archive einrichten. 1950 wurden die Kirchenarchive vom Staat zu Privatarchi­ven mit öffentlichem Interesse erklärt, eine zentrale Verwaltung wurde eingeführt. Dies führ­te dazu, daß Kirchenarchivare die Sammlungen nur in Begleitung von staatlichen Angestell­ten betreten durften. Ab 1969 galten die Kirchenarchive als Facharchive, sie wurden nun nicht mehr vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft, sondern von der zugehörigen Kir­che finanziert. Demnach wurde zwar die bisherige Abschirmung aufgelöst, doch der ständi­ge Mangel an Fachkräften und an Geld behinderten die wissenschaftliche Forschung. Die Archive galten also als innere Angelegenheit der Kirchen. Erst im Jahr 1976 wurde das erste Repertorium publiziert. In den seither erschienenen sieben Bänden sind 15000 laufende Meter Akten beschrieben. Davon sind 9000 Akten der katholischen Kirche und der Orden zuzuordnen, ein Drittel davon betrifft die Pfarreien (Dóka 1991). Einer der wertvollsten Bestände gehört der Diözese Raab (ung. Győr). Unter den 300 lau­fenden Metern finden sich mittelalterliche Akten, die Reihe der kanonischen Visitationen beginnt ab dem 17. Jahrhundert. Im Folgenden möchte ich historische Quellen vorstellen, die für eine komplexe Kleinden­kmalforschung unerläßlich sind. Die wichtigste Quellengruppe für sakrale Kleindenkmäler sind die Protokolle der kano­nischen Visitationen. Wie bekannt, wurde das Gebot der kanonischen Visitationen vom Kon­zil zu Trient im 16. Jahrhundert - zwischen 1543 und 1563 - aufgestellt. Die frühen Formen * Der vorliegende Text wurde am 11. Mai 2002 auf der 15. Internationalen Tagung für Klcindenkmalforschung in Komorn vorgetragen. 81

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