Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2003-2004 - Acta Ethnologica Danubiana 5-6. (Dunaszerdahely-Komárno, 2004)

Tanulmányok - Székely Zoltán: Középkori képoszlopok Győrött

menfassende Bezeichnung sakraler Kleindenkmäler. Der Grund dafür ist vielleicht darin zu suchen, dass die Bildsäulen im allgemeinen von einem kleinen Kreuz abgeschlossen wurden (Perger 1993, 358-359). Ferenc Jenei und Tibor Koppány, die das Qellenmaterial als erste publizierten, interpretierten den Ausdruck keep als religiöses Bild (Gemälde)/religiöse Statue (Jenei-Koppány 1964. 16). Der Ausdruck „Bild” bedeutete in der spätmittelalterlichen­­neuzeitlichen Gemeinsprache nicht nur eine figurale, bebilderte Darstellung, also Gemälde oder Statue. Es wurde in einem viel weiteren Sinne gebraucht. Es konnte jedwedes religiöse Kleindenkmal bezeichnen, das eine figurale Darstellung besaß. Laut der Forschungen von Gyula Perger nennt die Volkssprache die in den Dürfen der Kleinen Tiefebene noch immer stehenden Bildsäulen aus dem XVII. Jahrhundert auch heute „Bild” (Perger 1993, 370-376). Die von József Liszka auf den verschiedenen, von Ungarn bewohnten Gebieten im Karpaten- Becken gesammelten ethnographischen Beispiele belegen auch das breite Bedeutungsfeld des Wortes „Bild”, das Kreuz, Bild, sogar Kapelle bedeuten kann (Liszka 2000, 21-22). Der Aus­druck in der Urkunde kann also auch als Bildsäule gedeutet werden. Die genaue Lokalisierung des Monuments wird aber dadurch erschwert, daß unsere topographischen Kenntnisse über das mittelalterliche Raab und dessen Umgebung mangel­haft sind. Die ehemaligen Siedlungsteile wurden infolge der Kriege während der Türkenzeit, der groß angelegten Befestigungstätigkeiten und der Ausdehnund der Stadt im 17.-20. Jahr­hundert fast spurlos vernichtet oder verändert. Der mit dem Namen Käptalangyör bezeichne­­te Stadteil schloß den Siedlunsgteil um den Káptalan-Hügel, die eigentliche heutige Innenstadt, ein. Seine Grenzen waren die Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert, so ist es nicht unmöglich, daß das Siegelbild genannte Andenken mit dem Objekt auf der sog. Angielini- Zeichnung gleichzusetzen ist*. Zwar verfügen wir über keine schriftlichen Quellen über den gegenüber der Neubastei befindlichen Bildstock, trotzdem können wir mit Hilfe von Angielinis Zeichnung den Stan­dort etwas genauer erfassen und bestimmen. Auf der Vedute ist nämlich eine abgegrenzte, ovale Fläche auf der Seite der Stadt aus zu sehen. Innerhalb der Einfriedung zeichnete der ita­lienische Ingenieur längliche Rechtecke. Obwohl von keiner Aufschrift bestätigt, können wir doch vielleicht annehmen, daß es sich hierbei um den mittelalterlichen Friedhof von Raab handelt. Nach der Heimatkunde!iteraturiag dieser alte Friedhof an der nach Buda führenden Straße, nicht weit von den Stadtmauern entfernt (Borbíró-Valló 1956, 87). Beim Ausbau der äußeren Schutzanlage nach Montecuccoli Mitte des 17. Jahrhunderts wurde er zusammen mit der Landstraße nach außen hin verschoben. Auf den Landkarten des 18. Jahrhunderts ist er schon an diesem neuen Ort, gegenüber der Neubastei, unmittelbar neben dem Glacis zu sehen. Der alte, mittelalterliche Friedhof befand sich demnach davon etwas weiter innen, in * Jenei und Koppány lokalisierten das Objekt in der Nähe von Szombatpiac (Jenei Koppány 1964, 16). Szombatpiac erscheint aber in der genannten Urkunde nicht. Es ist möglich, daß die Lokalisierung in einer anderen Urkunde erwähnt wurde, die aber in den Aufzeichnungen nicht erschienen ist. Obwohl so die Angabe zweifelhaft ist, lohnt es sieh doch, die sich daraus ergeben­den Folgerungen zu überlegen. Die Lage von Szombatpiac, also der Szombatpiac-Straße in der mit­telalterlichen Raab ist mehr oder weniger zu rekonstruieren. Sie begann an dem westlichen Raab- Briickcnkopf, beschrieb einen großen, südwestlichen Bogen unter Káptalanváros und setzte sich in der nach Stuhlweisscnburg führenden Straße fort. Sie wurde von zwei Straßen gekreuzt. Namentlich von der von Osten nach Westen führenden Domonkos-Straße und der von Norden nach Süden führenden Väros-Straße, die dann nach Veszprém führte. Die ortsgeschichtlichen Forschungen pla­zieren all das vor das Fehérvárer-Tor der Festung aus dem XVI. Jahrhundert (Borbiró Valló 1956, 73 -75). So belegt auch diese Angabe die von uns angegebene Identifizierung des Stempel-Bildes. 100

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