Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)
1. Tanulmányok - Becker, Siegfried: Határvidék. Néprajzi feltárás és sztereotípiaképződés: Galícia és Bukovina a felvilágosult abszolutizmus korában
Was dann hundert Jahre später als “Erwerbung der Bukowina” bezeichnet werden sollte (Polek 1889; Kaindl 1894), war eine von langer Hand vorbereitete, mit enormem finanziellem und diplomatischem Aufwand und einer umfassenden Bestechungsaktion durchgefiihrte Besetzung (vgl. Hofbauer/Roman 1993); doch nicht die politisch-strategischen Pläne und Disziplinierungsmaßnahmen der österreichischen Militärverwaltung sollen hier näher betrachtet werden, sondern die utopischen Entwürfen zur Hebung der Landeskultur, die wesentlich durch Joseph II. geprägt waren, und diese Ambitionen trugen auch biographisch-emanzipatorische Züge. Als sich der Kaiser zu Beginn des Jahres 1773 mit dem Vorhaben befaßte, die neue Provinz Galizien und Lodomerien zu besuchen, war er zunächst noch von Maria Theresia davon abgebracht worden: Sie fürchtete, ihr Sohn könne sich bei dieser “schrecklichen Reise” seine schönsten Lebenstage abnützen - und diese Furcht wuchs, als der Kaiser trotz zwischenzeitlich auf Ungarn, das Banat und Siebenbürgen beschränkter Reisepläne am 11. Juni in Vásárhely den Entschluß faßte, den Besuch der Provinzen doch noch auf Galizien auszudehnen. “Und in welcher Krise verfügst Du Dich dahin?” - schrieb ihm Maria Theresia - “Weder die Zarin noch der König von Preussen waren bis jetzt dort. Du hast diesen Winter gesehen, dass er selbst eine solche Reise nicht als passend betrachtete, und doch bist Du so grausam, von mir das Jawort zu verlangen!” (Schreiben Maria Theresias an Joseph II. vom 20. Juni 1773, zit. n. v. Ameth 1863-1879, VIII, 409f.; Polek 1895, 3f). Der Entschluß, entgegen den offiziellen Planungen der Reise doch noch nach Galizien zu fahren, muß daher auch als Bekundung eines Willens zu selbständigen Entscheidungen interpretiert werden, als Loslösung von der kompromißbereiten und für die hochgesteckten Reformpläne des Kaisers allzu zögerlichen Politik seiner Mutter, deren dominierende Stellung auch in der außenpolitischen Repräsentation des Reiches seiner eigenen Profilierung hinderlich war. Von Kaschau reiste der Kaiser über Virova, worauf er am 27. Juni Galizien erreichte und eine Rundreise durch die Provinz über Jaroslau, Lemberg, Streliska, Stanislau, Zablotów, Sniatyn, Milno, Brody, Zamosc, Goray, Kosin, Bosleslaw, Kazimierz und Wieliczka unternahm, um sich über die Zustände des Landes zu informieren. Eine Absicht dieser Reise lag in der Klärung der strategischen Grenzverläufe, die mit der Expansion des Reiches nach Osten einer Regulierung unterzogen werden sollten. Österreich hatte von seiner Vermittlerrolle in den Friedensverhandlungen zwischen Rußland und der Türkei durch Landgewinn profitiert: als Gegengabe für ein monetäres Verhandlungspfand an die Hohe Pforte in Konstantinopel war die Kleine Walachei erworben worden, die nun jedoch weder in militärischer noch in politischer oder wirtschaftlicher Hinsicht vorteilhaft schien. Die Aufmerksamkeit - und die Begehrlichkeit - Österreichs war vielmehr auf einen anderen Teil des türkischen Grenzgebietes gerichtet, auf den nordwestlichen Teil der Moldau, die spätere Bukowina, die eine direkte und bequemere Verbindung zwischen Siebenbürgen und Ostgalizien ermöglichen sollte. Diese Absichten drückte der Kaiser am 19. Juni 1773 in einem in Szász-Regen geschriebenen Brief an seine Mutter deutlich aus: “Wir haben soeben die Csik und Gyergyó mit allen ihren nach der Moldau führenden Pässen sowie einen Theil des wiederbesetzten Gebietes besichtigt. Letzteres ist eine wahre Wildnis, bedeckt mit den schönsten Bäumen, die aber unbenützt verfaulen. Wenn man durch die Zurückgabe dieser ziemlich ausgedehnten, aber ohne Beurbarung und Besiedelung fast wertlosen Gebietstheile an die Moldauer jene Ecke gewinnen könnte, die an Siebenbürgen, an die Marmarosch und an Pokutien stösst, so würde man sicher etwas sehr Nützliches vollbringen......Diese Erwerbung {cela) würde nicht nur unsem Handel und Verkehr erleichtern, sondern für die Truppen, die jetzt behufs Vereinigung einen furchtbaren Umweg machen 39