Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)
1. Tanulmányok - Barna Gábor: Valóságos határok - szimbolikus világok
Zusammenfassend kann noch einmal festgestellt werden, daß die Namen von Landschaften, Siedlungen sowie Straßen nicht allein eine sichere räumliche Orientierung ermöglichen. Durch sie wird die natürliche Umgebung zu einem menschlichen (humanisierten) Raum. Dadurch nimmt man ihn in Besitz. Der Name markiert nicht allein den Raum, sondern auch die an den Ort gebundenen Ereignisse der Geschichte einer in dem Raum lebenden menschlichen Gemeinschaft durch Gedächtnis und Denkmäler. Hierdurch formt die Geschichte die vertikale Dimension der Zeit zu einer ständigen Gegenwart der Synchronität. Aus diesem Grunde kommt der Erhaltung von historischen architektonischen Denkmälern ebenso wie der Erschaffung der über sie erzählten Geschichten und der Errichtung von Gedenktafeln und Statuen eine ganz besondere Bedeutung und Rolle zu. Diese Dinge helfen unser Gedächtnis wach zu halten und die Erinnerungen weiterzugeben. Durch derartige Gedenkstätten wird ein Raum zu einem “sakralen” Raum, zu einem mit der Geschichte der Gemeinschaft verschmolzenen Raum und Heimatland. Darin sind Lokalgeschichte, -erinnerung und -kultur zugleich enthalten, aber andererseits hat er sich am Ende des 19. Jahrhunderts mit den symbolischen Elementen des Nationalbewußtseins und Gedächtnisses durchwoben. Im Laufe dessen ist das Lokale, Provinzielle und Bäuerliche zum Nationalen und Bürgerlichen geworden. Dies war die eine bewußte Umstrukturierung des Gedächtnisses. Die andere erfolgte damit, da einstige ungarische und von Ungarn bewohnte Gebiete unter fremde Herrschaft kamen, da die neuen Imperien darum bemüht waren und sind, die bereits ausgestalteten, symbolischen/ ungarischen/nationalen/ wirklichen Welten zu vernichten und durch ihre eigene auszutauschen. Die dritte Umstrukturierung wirklicher Welten geschah aufgrund der marxistischen Ideologie, deren Verschwinden eine neue Umgestaltung der räumlichen und der mentalen Welt zur Folge hatte. Dies hat die früheren sozialistischen Länder gleichermaßen und gleichförmig betroffen. Hier stehen wir nun, und der mitteleuropäische Raum bemüht sich bewußt darum, auf die sich stärker auf Selbstorganisation und Selbstverwaltung stützende europäische Gemeinschaft zuzugehen. Wir warten neugierig darauf, was die Zukunft in dieser Hinsicht bringen wird. Unsere Erfahrungen zeigen, da die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandenen neuen Grenzen die Erinnerung an die historisch geformten Regionen und den früheren Zusammenhalt nicht völlig auslöschen konnten. Auf dieser Grundlage können sich heute am Lauf von Ipel, Theiß, Maros und Donau Euro-Regionen organisieren, die die einst zertrennten Fäden wirtschaftlicher, sozialer, menschlicher und verwandtschaftlicher Beziehungen neu spinnen. Die hier ansäßigen Menschen und Gemeinschaften streben danach, sich erneut an einen bestimmten Raum zu binden. Sie wollen ihren Wohnort als Heimatland empfinden - egal, unter welcher Staatsmacht. Dabei kann ihnen die Schaffung ihrer mentalen Welt, ihres Heimatlandes, einer ethnoscape große Hilfe leisten. 32