Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Barna Gábor: Valóságos határok - szimbolikus világok

sehen Nationalfarben bemalt) bestückt sind. Konfessionelle Trennungen wurden/werden auch auf den Friedhöfen, den “geheiligten Ruhestätten der Ahnen” vollzogen. Die Gestalt der Grabsteine und die Sprache ihrer Inschriften weisen klar und deutlich auf die Sprache der Ahnen (Ureinwohner, Einheimische) und deren Kultur sowie auf ihre Vergangenheit und ihre Geschichte hin. In der Slowakei besteht kein so scharfer konfessioneller Unterschied zwischen Ungarn und Slowaken: Es gibt katholische, lutherische und reformierte Ungarn ebenso wie Slowaken. Das bedeutet aber, daß innerkonfessionelle Sprachen- und Nationalitätengrenzen und Interessengegensätze bestehen. Die slowakisch-katholische Dominanz kann das Glasfenster der Kaschauer Ursulinenkirche deshalb einmauem, weil auf ihm eine ungarische Heilige und das ungarische Kronenwappen zu sehen sind. Die alten Baudenkmäler im Banat erzählen somit von einer ungarischen und deutschen Vergangenheit, die neuen Kirchengebäude hingegen von der Expansion des orthodoxen Rumänentums. Hinter all dem stehen aber die einander ausschließenden, einander also nicht ergänzenden, die aufeinander aufbauenden, jedoch nicht zueinander passenden Geschichts­anschauungen und Bewusstseinsinhalte. Die jetzige Obrigkeit ist also darauf bedacht, die Landschaft auch symbolisch in Besitz zu nehmen, indem sie die Denkmäler der vorhergehenden Machthaber, der “anderen” kollektiv­en Erinnerung, verschwinden und durch die eigenen Gedenkstätten ersetzen läßt. Auf diese Weise versucht sie die Zeit retrospektiv zu verändern und die Geschichte neu zu schreiben. Die Rückprojizierung der neuen politischen Grenzen in die Vergangenheit heißt die gegen­wärtigen Machtverhältnisse in die Geschichte einbringen und bedeutet die durch die Vergangenheit konstruierte Machtlegitimation der Gegenwart. Wer die Erinnerung an die Vergangenheit verliert, verliert sich selbst. Wer aber die Vergangenheit besitzt, der hat die Kontrolle nicht allein über die Zukunft, sondern auch darüber, wer er selbst ist (Szacka 1998, 33). Die Prozesse des Sich-Erinnems und des Vergessens sind sozial kontrolliert und institu­tionalisiert (Szacka 1998, 34). Multinationale Regionen wie das Banat, die Karpato-Ukraine, und die Slowakei oder Städte wie Klausenburg, Preßburg, Kaschau, (und nicht nur die in Grenznähe gelegenen Gebiete und Städte) können ins Kreuzfeuer der nationalen Bestrebungen, d.h., in den Schnittpunkt von gegeneinander gerichteten Bestrebungen und-Wirkungen, geraten (Thomassen 1996, 38). In bestimmten Gegenden kann sich trotzdem oder eben deshalb ein regionales oder lokales Bewusstsein herausbilden — in unserem Falle das sog. Banater, Preburger, Kaschauer usw. Bewußtsein (Greffner 1996, 109-111) -, das-sich auf der Tatsache der gemeinsamen Lokalität und dem Gefühl des gemeinsamen Heimatlandes gründet und (zumindest eine Zeit lang) den äußeren spaltenden Wirkungen zu widerstehen vermag. Auf diese Weise kann es auf die staatlich/nationale (offizielle) Identität prallen. In einer solchen Situation bleibt niemand vom nationalen Gedanken unberührt und jeder ist gezwungen, sich zu entscheiden. Daher kann es immer wieder Siedlungen, ja sogar Familien geben, die von der Wahl ihrer nationalen Identität her gesehen gespalten sind (Thomassen 1996, 40). Bei diesen Entscheidungen können aber die mentalen Landkarten und die Einverleibung des Heimatland-Gefühls in die Identität eine Rolle spielen. In dieser kurzen Studie will ich nicht auf die Rolle der sozialen und wirtschaftlichen Möglichkeiten und der durch Eheschließungen geschaffenen Abgrenzungen eingehen, wissen und spüren wir doch alle, daß unsere Pläne, unser Denken und Handeln, unsere Identität auch durch sie beeinflußt werden. 30

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