Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Kovačevičová, Sona: A határ mint kultúrtörténeti probléma

Acta Ethnologica Danubiana 2-3 (2000-2001), Komárom-Komärno Grenzen als kulturhistorisches Problem Soňa Kovačevičová Die Slowakei ist ein kleines multikulturelles und multiethnisches Land mit mehreren neural­gischen Knoten. Dies sind einerseits die Berührungen und Schnittpunkte der geographischen, staatlichen, regionalen, ethnischen und religiösen Grenzen, andererseits die der gesellschaftlichen Hierarchie, Berufe und Bildung. Diese Knoten und ihre Komponenten wurden im Laufe der letzten Jahrhunderte häufig durch die weltliche und kirchliche Macht mißbraucht. In der Slowakei gehören zu den wesentlichsten neuralgischen Subregionen die Nordost-Karpaten, Horný Spis - die Oberzips, Žitný ostrov - die Große Schüttinsel und teil­weise auch Záhorie und Kysuce. Einige verschwanden oder schwächten sich infolge der Möglichkeit lukrativer Verdienste ab (Záhorie, Kysuce). Andere erhielten durch den Eingriff der Regierungsmacht einen neuen Charakter (die Zips nach Vertreibung der Deutschen und der gewaltsamen Besiedlung mit Roma). Wieder andere treten in Erscheinung, wann immer es zu einem religiösen oder nationalen Aufflammen der Glut kommt (die Nordostslowakei, die Große Schüttinsel und deren Umgebung). Man muß bedenken, daß Europa mehrere solcher wunden Punkte hatte und hat. In den vergangenen Jahren führten sie zu blutiger Gewalt (Elsaß, Teschen, Oldenburg). Kluge Regierungen wußten jedoch diese mikrore­gionale Spannung zu eliminieren. Heute besteht zwischen der Bevölkerung dieser Regionen und den benachbarten Staaten eine wirtschaftliche Kooperation. Zur Beleuchtung der Rolle der Kreuzung und Berührung der Grenzen verschiedener Art habe ich die Große Schüttinsel mit den angrenzenden Mikroregionen, namentlich denen, die um die Mündung der Flüsse Váh/Waag, Nitra/Neutra, Hron/Gran und Ipel’/Eipel liegen, gewählt. Die Region der Großen Schüttinsel charakterisieren Kiessandböden und Braunerde, die Subregion im Gebiet der Flußmündungen Schwarzerde, fruchtbare Schwemmböden sowie weinreiche Berge. Diese geographischen und natürlichen Gegebenheiten bestimmten und bestimmen das Leben dieser Region nicht nur über Jahrhunderte, sondern sogar über Jahrtausende. Hinzu kommt noch der Umstand, daß Komárno (Komom) der einzige seismo­­graphische Gefahrenpunkt und Hurbanovo-Gyalla der wärmste Ort der ehemaligen tsche­choslowakischen und der heutigen Slowakischen Republik waren und sind (Kovačevičová, Hrsg. 1990, Kap. I, Karte: 5-10). Die Möglichkeiten der Ent- und Bewässerung machten in den letzten zweihundert Jahren die Region der Braun- und der Schwarzerde zum fruchtbarsten Gebiet, für das nicht nur Getreide, sondern auch technische Kulturen sowie Obst- und Gemüseanbau charakteristisch 143

Next

/
Thumbnails
Contents