Sárospataki Füzetek 20. (2016)

2016 / 2. szám - Teach Me That I May Live! / Unterweise mich, so werde ich leben! - Alfred Mengel: Der Hahn auf dem Kirchturm

Alfred Mengel Fleiß „Früh, wann die Hähne krähn beginnt ein Gedicht von Eduard Mörike. „ Wa­chet auf, wachet auf, es krähet der Hahn!“, so singt ein bekanntes Volkslied. Hähne wecken die Menschen und rufen sie, ihr Tagewerk zu beginnen. Johannes Calvin schreibt in schöner Klarheit: „ Wir wissen, dass die Menschen dazu geschaffen sind, sich mit Arbeit zu betätigen. “Schon hundert Jahre früher hatte der fromme Thomas von Kempen in seiner „Nachfolge Christi“ gemahnt: „Zur Geduld und zur Arbeit bist du berufen, nicht zum Müßiggang und zum Geschwätz. “ Unser Heidelberger Katechismus fügt in Frage 111 einen wesentlichen, den diakonischen Aspekt hin­zu: „Auch soll ich gewissenhaft arbeiten, damit ich dem Bedürftigen in seiner Not helfen kann. “Das klingt nun sehr nach Last und Leistung, und doch hat alle Arbeit ihre Ehre und ein Versprechen. Hören wir noch einmal Calvin: „Gott will nicht, dass wir als müßige Zuschauer seiner Wundermacht dasitzen, darum hilft er uns auch bei unserer Hände Werk. “ So erinnert uns der Hahn auf unseren Kirchen daran, dass wir Gottes Mitar­beiterinnen und Mitarbeiter sein dürfen und dass er uns dabei stärkt und segnet. So wollen wir denn zum Weckruf des Hahnes singen: „Darauf so sprech ich Amen / und zweifle nicht daran, / Gott wird es alls zusammen / in Gnaden sehen an, / und streck nun aus mein Hand, / greif an das Werk mit Freuden, / dazu mich Gott beschieden / in meim Beruf und Stand.“ (Evangelisches Gesangbuch 443,7) Und schließlich beten wir mit dem Psalter: „Der HERR, unser Gott, sei uns freundlich und fordere das Werk unserer Hände bei uns. “ (Psalm 90,17) Hoffnung Meine Siegerländer Heimat ist ein altes Bergbaugebiet. Wer in eine Grube einfährt, begibt sich in Dunkelheit und Gefahr. Darum befand sich bei vielen Gruben­schächten ein Andachtsraum. Dort wurde vor der Einfahrt und nach der Ausfahrt Gottes Wort gelesen und gebetet. Aber auch mit einem kleinen Zeichen gaben die Bergleute ihrer Hoffnung Ausdruck, wieder gesund aus der dunklen Tiefe ans Licht aufzufahren. Um unter Tage arbeiten zu können, hatten sie Grubenlampen, die sie in einer Hand trugen und die sie in der Grube aufhängten. Diese Gruben­lampen waren häufig mit einem kleinen, glänzenden Hahn verziert. Denn der Hahn ist der Künder des Lichtes. Wenn er kräht, vergeht die Nacht und das Licht eines neuen Tages bricht hervor. So brachte der kleine Hahn auf der Grubenlampe zum Ausdruck, dass Finsternis überwunden werden kann, dass das Licht wartet und dass der Bergmann hoffen darf, zu diesem Licht zurückzukehren. So wollen auch wir in dem Hahn auf dem Kirchendach einen Künder jenes Lichtes sehen, das Gott selbst ist. Denn „ Gott ist Licht und in ihm ist keine Finster­nis. “ (1. Johannes 1,5) Und dieses Licht hat Gestalt angenommen in Jesus Christus, dem „wahren Licht, das alle Menschen erleuchtet.“ (Johannes 1,9) Er, Jesus Christus, hat sich alle Finsternis von Schuld, Krankheit und Tod zueigen gemacht und durch sein 6 Sárospataki Füzetek 20. évfolyam 2016-2

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