Sárospataki Füzetek 16. (2012)

2012 / 3-4. szám - TANULMÁNYOK - Adriana Drint: Bibliai textusok észak-hollandiai sírfeliratokon

hat die Theologie versucht, die Kirche zunächst nur als ein menschliches Gebilde zu behandeln, und sie redete dann buchstäblich kopflos zu der Frage, mit welchem Recht sie Kirche Jesu Christi heißt. Und mag sie sich darauf die Antwort geben, dass er den historischen Anstoß zu ihrem Dasein gegeben hat, die Antwort wird doch nichts daran ändern, dass sie - nicht theoretisch, aber praktisch zu ihrem Betrieb im Grunde „Jesus Christus“ eigentlich nicht mehr braucht als das Etikett auf ein Gefäß, dessen Inhalt sie selbst bestimmt. Sie ist dann sich selbst genug, weil sie praktisch sich selbst versammelt, sich selbst schützt, sich selbst erhält und versorgt. Sie trachtet dann, entgegen dem Wort Jesu (Mt. 6,3 lf), wie die Heiden zuerst danach, dass sie sich selbst am Leben hält, und ist dann davon überzeugt, so werde ihr wohl das Reich Gottes zufallen. Eine solche Kirche ist wie die, die der Dichter Dostojewski angeklagt hat: wo Jesus erneut leibhaftig einem Kirchenfürsten begegnet. Und der sagt: Geh fort, zurück in deine Zeit! wir machen unsere Sache heute besser ohne dich. Aber wo die Kirche Jesu Christi ist, da wird diese Vorstellung umgedreht. Da wird gesagt: „Ich glaube, dass der Sohn Gottes sich eine auserwählte Gemeinde versam­melt, schützt und erhält.“ Da lebt sie darum, weil gilt, was dieser Sohn Gottes sagt: „Ich lebe und darum sollt auch ihr leben“ (Joh. 14,19). Da ist das das Strukturgesetz ihrer Existenz: „Nicht ihr habt mich, sondern ich habe euch erwählt“ (Joh. 15,16). Da ist in der sichtbaren Erscheinung der Kirche das das Bestimmende, die eigentliche Realität der Kirche: die verborgene, geglaubte Gegenwart ihres Hauptes, Jesus Christus. Wo er ist, da ist auch Kirche. Aber das ist ein unumkehrbarer Satz. Denn da, wo Christus nicht ist, ist auch nicht seine Kirche. Und wenn sie sich dann trotzdem so nennt, ist sie nur Scheinkirche. Aber wo er ist, da ist auch sie, und da ist, wenn noch so unscheinbar und fragwürdig, die wahre Kirche. Da ist nicht nur sein Wort; da wird es auch gehört, wie schlecht auch immer, aber gehört. Dass er das Haupt der Kirche ist, das ist zum einen eine tröstliche Aussage. Der 1. Art. des Katechismus sagt: aller Trost besteht darin, dass ich „nicht mein, sondern meines getreuen Heilands Jesu Christi eigen bin“. Das gilt auch für die Kirche im ganzen. Sie ist sein Eigentum. Sie ist in seiner Hand. Und das ist ein Trost, den wir auch in den Anfechtungen brauchen, die es im Blick auf die Kirche gibt: Fragen, wie sie unter der Säkularisierung und in der Konkurrenz der Weltanschauungsangebote Bestand haben kann, Fragen im Blick darauf, dass so vieles, was in ihr getan wird, vergeblich getan und wie gegen eine Wand geredet zu sein scheint, und Fragen im Blick auf das vielfältige Versagen der Kirche, ob sie jetzt etwa Steine statt Brot bietet und ob sie ihr Licht unter den Scheffel stellt. In solchen Anfechtungen darf die Kirche nicht auf den falschen Trost bauen, dass die Menschen, auch wenn sie sich nicht mehr zur Kirche halten, doch noch ein religiöses Beharrungsvermögen zeigen. In solchen Anfechtungen kann die Kirche nicht genug ihr Vertrauen auf den setzen, der ihr Haupt ist. Und tut sie das, dann darf sie getrost sein und sagen, mit Luther: Fluctuat, sed non mergitur (sie wankt zwar, aber sie versinkt nicht)1. Oder wie Luther anderwärts sagt: „Wir sind es doch nicht, die da könnten die Kirche erhalten, unser Vorfahren sind es auch nicht gewesen, unser Nachkommen Werdens auch nicht sein, Sondern der ist es gewesen, ist es noch, wird es sein, der da spricht, Ich bin bei euch bis an der Welt Ende.“1 2 Dass er das Haupt der Kirche ist, das ist zum anderen eine 1 WA 39 II, 28,26. 2 WA 54, 470. Eberhard Busch 76 SÁROS FA 1 ,KI FÜZETEK 2s

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