Tabiczky Zoltánné: A Magyar Vagon- és Gépgyár története 1. 1896-1945 (Győr, 1972)
Negyedik fejezet. A háborút megelőző időszak és a második világháború évei. 1930-1945
Geschichte der Ungarischen Waggon- und Maschinenfabrik (1896—194-5) Nach dem Österreich—Ungarischen Ausgleich von 1867 beschleunigte sich in Ungarn der Bau von Eisenbahnen. Und die Nachfrage nach rollendem Material stieg noch rascher als die Entwicklung des Eisenbahnetzes. Der Waggonbau nahm einen Aufschwung: während um das Jahr 1880 in Ungarn nur die Firma Ganz Eisenbahnwaggons herstellte, waren 1898 bereits fünf Waggonfabriken im Betrieb. Eine hiervon war die Ungarische Waggon- und Maschinenfabrik A. G. in Győr (Raab). Diese Fabrik wurde zur Herstellung von Eisenbahnwaggons, Maschinen, Dampfkesseln, elektrischen Anlagen und Einrichtungen gegründet. Die gründende Generalversammlung fand am 28. Dezember 1896 statt. Die Aktienmehrheit lag in den Händen der österreichischen Kapitalisten Emil Lederer und Richard Lederer, den Eigentümern der Spirituosenfabrik in Győr. Die Stadt Győr stellte in der Nachbarschaft der Spirituosenfabrik 15 Katastraljoch 720 Quadratklafter Baugrund zu Vorzugspreisen zur Verfügung, doch wurden auch von der Spirituosenfabrik Hofgelände und Bauten gepachtet, welche das Unternehmen später ankaufte. Die Ungarische Waggon- und Maschinenfabrik A. G. wurde am 22. Februar 1897 unter Nr. 938 1897 in Győr ins Handelsregister eingetragen. Bei der Gründung wurde das Aktienkapital mit 500 000 Gulden (= eine Million Kronen) festgelegt, dann im Jahre 1899 auf 2 Millionen Kronen, 1901 auf 4 Millionen erholt. Die Produktion begann im Sommer 1897. Die erste Bestellung lautete auf 30 Sütck zweiachsige Behälterwagen zu 15 Tonnen, die bis September 1897 fertiggestellt wurden. Bei Aufnahme des Betriebes bewegte sich die Zahl der Arbeiter um 200. Im September 1898 waren in der Fabrik bereits 1200 Werktätige angestellt. Die damaligen Fabrikate einfacher Konstruktion erforderten nicht viel Arbeit. Die 1200 Arbeiter haben wöchentlich 8—10 Waggons hergestellt. So ist es verständlich, dass im Jahre 1898 bereits der tausendste Waggon die Waggonfabrik verhess. Die Belegschaft stammte teils aus dem Facharbeiter-Reservoir der Umgebung, doch kamen auch aus anderen Gegenden Spezialisten nach Győr. Der damaligen Technologie im Waggonbau entsprechend waren Tischler und Schmiede die wichtigsten Facharbeiter. Diese waren organisierte Arbeiter. Das Erstarken der Tätigkeit der Sozialdemokratischen Partei in Győr, der Aufschwung des gewerkschaftlichen Lebens fiel nicht zufällig mit der Gründung der Waggonfabrik zusammen. Die Tischler der Waggonfabrik streikten bereits ein Jahr nach der Gründung, um sich höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. In den folgenden Jahren wurde neben wirtschaftlichen Forderungen auch um politische Ziele gekämpft. Am Ende des 19. Jahrhunderts haben die Staatsbahnen infolge der Wirtschaftskrise weniger Waggons bestellt. Deshalb wurde — um die Beschäftigung aufrechtzuerhalten — die Herstellung neuer Fabrikate eingeführt. 1898 begann man mit der Herstellung von elektrischen Akkumulatoren. Dann folgte die Herstellung von Schmalspur Eisenbahnwaggons, Brücken, Eisenkonstruktionen und Kranen (1902), Motorfahrzeugen für Schienenbetrieb und Kraftfahrzeugen (1903), von Weichen und Oberbaubedarf (1905) und Drahtseilbahnen. Bei den neuen Fabrikaten wurden mehrere neuartige technische Lösungen angewendet. So wurden in die Motorwagen der Eisenbahnen auf Grund eines Patentes Stoltzsche Dampfmotore eingebaut, auf der Kraftwagenabteilung erstand als technische Neuheit 1904 das erste Fahrzeug mit mechanischem Vierradantrieb und 1905 wurde auf Grund der Pläne von János Csonka die Herstellung von Postautos begonnen. Im selben Jahre wurde für den Wiener Arnold Spitz eine verbesserte Variante des in Österreich schon früher gebauten ,,Spitz”-wagens fertiggestellt, der beim Semmering—Rennen des Jahres 1905 Kategoriensieger wurde. Um das Jahr 1910 erlangt die Herstellung von Kriegsausrüstungsmaterial eine stets grössere Rolle (Kriegsmaterial wurde bereits seit 1900 hergestellt). Am Anfang der 1900-er Jahre wurde der Ausfall von Bestellungen auf rollendes Eisenbahnmaterial durch Exportlieferungen ausgeglichen. Neben den nahen Ländern — Serbien, Rumänien, Bulgarien, Italien — lieferte die Waggonfabrik auch der Londoner Untergrundbahn, der Antwerpener elektrischen Strassenbahn, doch gelangten ihre Erzeugnisse auch nach Ägypten, Südafrika, Argentinien, Chile und Indien. Dem anspruchvollsten Besteller, der Internationalen Schlafwagengesellschaft, lieferte das Unternehmen von Győr Schlaf- und Speisewagen in Luxusausführung. 171