Die frage der Ungarn-Flüchtlinge von 1956 in Iserlohn. Quellensammlunk - A Szabolcs-Szatmár-Bereg Megyei Levéltár Kiadványai II. Közlemények 35. (Nyíregyháza, 2006)
Quellen - Auszüge aus den Ratssitzungprotokollen
(Zurufe von links: Sehr richtig! Von rechts: Sehr richtig.) Das ist etwas ganz anderes, was Sie hier beabsichtigen: nicht nur, daß diesen Menschen geholfen wird - denn das müßten Sie eigentlich überall tun -, was Sie beabsichtigen, ist, deutlich zu machen - und Sie sagen es auch mit ganz klaren Worten -, daß Sie mit dem Eingreifen oder Einfallen der Israelis, der Franzosen und Engländer in Ägypten nicht einverstanden sind. Und ich glaube, in dem Punkte - daß wir damit nicht einverstanden sind können wir alle hier glatt mitziehen. Die Frage ist nur: Wollen wir politische Dinge tun? Denn das gehört ja eigentlich nicht gerade ins Stadtparlament, zu bekunden und sich dazu zu äußern, daß man mit dieser oder jener politischen Maßnahme eines anderen Volkes einverstanden oder nicht einverstanden ist. Ich persönlich würde - denn der Anlaß für diese Sache ist mir mehr wert als diese äußeren Begleitumstände - es sehr begrüßen, wenn Sie sich entschließen könnten, das zu tun, was Herr Römer zahlenmäßig hier vorgeschlagen hat, nämlich für diese hunderttausend Menschen, die ja völlig ohne jede Hoffnung außerhalb ihres Landes draußen sitzen, mehr zu tun, als jetzt ganze 1600 M zu opfern. Auf 50 000 Menschen im Stadtgebiet von Iserlohn ist das „eine enorme" Leistung für eine Stadtverwaltung, die in derselben Sitzung 2,5 Millionen für Elektromark bewilligt!! Das ist eine „enorme" Leistung, wenn wir uns hinstellen und hier 1600 Mark „opfern". (Einige Bewegung; kurze Zurufe) Ich würde es deshalb sehr wohl für richtig halten, wenn wir uns entschließen, hier insgesamt 3000 Mark zu opfern - das ist kein „Opfer" -; zu opfern für die Ungarn und auf eine politische Aktion aber bitte aus den Gründen, die ich genannt habe - zu verzichten zugunsten der Ägypter. Schmitz SPD: In unserem Antrag ist ja im ersten Teil ganz deutlich gesagt, daß wir mit dem Eingreifen der Russen in Ungarn nicht einverstanden sind, Herr Römer! Ich möchte das... (Zuruf: Habe ich gewußt!) Ich möchte daraufhinweisen... (Zuruf vor der SPD: Wir nehmen das mit Bedauern zurück!) Wir haben erlebt, was die Diktatur Rußlands macht und wie die Ungarn in Not geraten sind; wir haben erlebt, daß gleichzeitig in Ägypten durch das Vorgehen der Engländer, Franzosen und Israelis - nur aus falscher Kolonialpolitik heraus - ebenfalls Menschen in Not geraten sind. Wir dürfen das gar nicht politisch sehen, sondern wir haben das so zu sehen, daß die Menschen in Not geraten sind. (Zuruf: Das was Sie sagen, sollen wir gern...)