Die frage der Ungarn-Flüchtlinge von 1956 in Iserlohn. Quellensammlunk - A Szabolcs-Szatmár-Bereg Megyei Levéltár Kiadványai II. Közlemények 35. (Nyíregyháza, 2006)
Quellen - Auszüge aus den Ratssitzungprotokollen
Oberstadtdirektor Wohlert gibt bekannt, dass in der Flüchtlingsunterkunft Dördel 20-25 Ungarn-Flüchtlinge untergebracht werden könnten, im Ackenbrock würden 2 Kabinen frei für insgesamt 4 Personen, in der Wolfsgasse 1 Kabine für 4 Personen und in der Flüchtlingsunterkunft Grüner Talstrasse einige Kabinen für 10 Personen, so dass 40 Personen untergebracht werden könnten. Im Monat Dezember, nach Bezug der Neubauten, würden weitere 60 Plätze frei werden. Die Belegung dieser Plätze hänge aber davon ab, dass die Regierung die Stadt Iserlohn von der Übernahme des 5. Aufnahmekontingentes an Sowjetzonenflüchtlingen entbinde. Wenn der Regierung gemeldet werde, die Stadt könne Ungarn-Flüchtlinge übernehmen, müsse dieser Vorbehalt gemacht werden. Es wird daraufhin beschlossen: der Bezirksregierung auf den Schnellbrief vom 26. 11. zu melden, dass die Stadt Iserlohn bereit sei, 30 Ungarn-Flüchtlinge zu übernehmen. Sodann wird der Entwurf des Aufrufs für die Iserlohner Tageszeitungen besprochen. Die Meldungen für die zur Verfügung gestellten Unterkünfte sollen im Hauptamt entgegengenommen werden; ferner soll die Bürgerschaft in diesen Aufruf aufgefordert werden, Geldspenden zur Linderung der Not bei der Stadt zur entsprechenden Weiterleitung einzuzahlen. Sachspenden werden nicht für zweckmässig gehalten, da sich bei der Weiterleitung dieser Spenden nach Österreich Zollschwierigkeiten ergeben haben. Es wird daraufhin beschlossen, folgenden Aufruf in den Tageszeitungen zu veröffentlichen: „Durch die Ereignisse in Ungarn sind Tausende von Menschen in die bitterste Not geraten. Die Landesregierung ist deshalb an alle Stadt- und Landkreise herangetreten mit der Bitte, für diese Flüchtlinge Unterkunft bereitzustellen. - Der Stadt Iserlohn ist es infolge der laufenden Aufnahme von Sowjetzonenflüchtlingen nur in beschränktem Umfange möglich, Räume für diesen Zweck freizumachen. Aus diesem Grunde wird hiermit die Bevölkerung aufgerufen, die Aktion zu unterstützen. Jeder Einwohner wird gebeten, zu prüfen, ob er nicht Platz für einen oder mehrere Ungarnflüchtlinge zur Verfügung stellen kann. Zu den Kosten des Unterhalts können Beihilfen seitens der Landesregierung erwartet werden. Alle diejenigen, die gewillt sind, diesen aus ihrer Heimat Vertriebenen eine Zeitlang Obdach zu gewähren, werden gebeten, ihre Bereitwilligkeit schriftlich oder mündlich dem Hauptamt der Stadt Iserlohn (Rathaus, Zimmer Nr. 22, Tel. 4051, Nebenapp. 218) bekanntzugeben.