Die frage der Ungarn-Flüchtlinge von 1956 in Iserlohn. Quellensammlunk - A Szabolcs-Szatmár-Bereg Megyei Levéltár Kiadványai II. Közlemények 35. (Nyíregyháza, 2006)

Quellen - Zeitungsartikel

sehr schwer oder gar nicht gibt, zu bekommen. Selbsverständlich wird der normale Mietpreis für jedes Quartier unter allen Umständen entrichtet. Dafür bürgt das Arbeitsamt. Im Lager bekamen die Flüchtlinge pro Tag ein Taschengeld von 50 Pfen­nig. Für die Verpflegung waren pro Flüchtling täglich 4,50 DM angesetzt. Damit den Flüchtlingen bei der Erlangung eines Arbeitsplatzes keine Schwierigkeiten entstehen, gewährt das Iserlohner Arbeitsamt eine Ueber­brückungshilfe von 50 DM. Das ist eine Maßnahme zur Förderung des Arbeitsantritts, ist also keine Art von Sozialunterstützung. * Aus dem Gesprächen mit den Vertretern des Arbeitsamtes und mit zwei un­garischen Flüchtlingen, die wir an ihrer Arbeitsstelle besuchten, sollen nun einzelne Begebenheiten und Eindrücke berichtet werden. Um der größten Not der Unterbringung zu begegnen, erklärte sich ein Metzgermeister aus Lendringsen bereit, eine Frau mit Kind bei sich auf­zunehmen. * Als ein markantes Beispiel für die ungemein große Zusammengehörigkeit der Flüchtlinge aus Ungarn soll folgender Bericht gelten. Eine angesehene Handballmannschaft aus Ungarn, die gemeinsam mit zwei Ehefrauen und zwei Bräuten der Spieler geflohen ist, hatte die Möglichkeit, in Iserlohn eine gemeinsame Arbeitsstelle und Unterkunft zu finden. Jedoch war es nicht möglich, die zwei Bräute im selben Quartier und im selben Betrieb unterzu­bringen. Die Mannschaft wollte lieber noch im Lager bleiben, als auch nur für wenige Stunden von den Kameraden tagsüber getrennt zu sein. Nach lan­gen Verhandlungen lehnten sie einmütig das Angebot ab. Das Zusammen­gehörigkeitsgefühl dieser Menschen ist in einer Weise ausgeprägt, wie wir es in solcher Form nicht kennen, Gruppen dieser Menschen können und dürfen nicht auseinandergerissen werden. * Unerfreuliche Erlebnisse gibt es auch. Bei den Ungarn und bei uns. Zweifelhafter Art waren die Wünsche, um nicht zu sagen Ansprüche, die ein Ingenieur stellte. Es kam schließlich dahin, daß ihm als Unterkunft ein kom­fortables Hotelzimmer mit Mühe genehm wäre. Es war ein reiner Zufall, daß diesem Ehepaar selbst diese Ansprüche weitesgehend erfüllt werden konn­ten. So etwas aber ist selten und darf keinesfalls verallgemeinert werden. * Die Freude über jedes Unterkunftsangebot ist riesengroß. So wurde ein Quartier für acht Mann zur Verfügung gestellt. Was aber war das? In einer feuchten, unsauberen, im Keller gelegenen Waschküche waren vier

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