Die frage der Ungarn-Flüchtlinge von 1956 in Iserlohn. Quellensammlunk - A Szabolcs-Szatmár-Bereg Megyei Levéltár Kiadványai II. Közlemények 35. (Nyíregyháza, 2006)

Quellen - Zeitungsartikel

Horwath bezeichnete Gerüchte, daß er Nachfolger Kadar s als Minister­präsident werden könne, als „unbegründet und lächerlich". Während die Arbeiter nach ihrem zweitägigen Generalstreik wieder in die Fabriken zurückkehren, ohne jedoch die Arbeit voll aufnehmen zu können, da es weiter an Strom und Kohle mangelt, appellierte Radio Budapest gestern an die Bergarbeiter auf den Gruben, schnellstens wieder einzufahren, weil das Land am Rand einer Inflation stehe, da die Zechen keine Kohle förderten. Bisher dementierte Zusammenstöße in dem nord-ungarisehen In­dustrieort Miskolc, die sich vor einigen Tagen ereigneten, wurden jetzt zu­gegeben; es wurde gesagt, Aufständische hätten auf Polizei und sowjetische Truppen geschossen. Viele Arbeiter protestierten durch Langsamarbeit und durch Sitzstreiks auch weiterhin gegen die Verhaftung des 23 jährigen Vorsitzenden des Buda­pester Arbeiterrats, Racz. Die Belojannis-Werke in Budapest wurden von ungarischer Polizei bewacht (in dieser Fabrik war Racz verhaftet worden). Die meisten Arbeiter standen am Freitag untätig in den Werkshallen und dis­kutierten die Verhaftung. Die Regierung hat angeordnet, daß alle Versammlungen, Aufmärsche und Kundgebungen drei Tage vorher bei der Polizei angemeldet werden müssen. Nicht genehmigte Versammlungen werden mit Zuchthausstrafen für die Veranstalter bedroht. Jugoslawische diplomatische Kreise wollen wissen, daß die Regierung Kadar mit den Sozialdemokraten, dem Petőfi-Klub der Intellektuellen und der Partei der kleinen Landwirte über eine Erweiterung der Regierung berät. Die Regierung hat einige wenige bedeutsame Forderungen der Arbeiter jetzt erfüllt und den 20. August, den Namenstag des ersten ungarischen Königs, Stephan des Heiligen, sowie den 15. März, den Beginn der Revolution von 1848, zum Nationalfeiertag proklamiert. Der Tag der „Befreiung durch die Rote Armee" am 4. April wurde gestrichen. Ostermontag wurde wieder zum Feiertag erklärt. Nach Agenturberichten soll sich der Leiter des sowjetischen Staatssicher­heitsdienstes, General Serow, seit Tagen in Budapest aufhalten und effektiv die Macht ausüben. Drei Träger des Stalin-Preises, der nach der Entstalinisierung jetzt Lenin­Preis heißt, und zwar der schwedische Arzt Andreen, der finnische Mathema­tiker I ver s en und der norwegische Pastor Forbech haben telegrafisch die Sowjetregierung aufgefordert, ihre Truppen sofort aus Ungarn abzuziehen. Nach Wiener Pressemeldungen ist ein Lokomotivführer aus Ost-Ungarn eingetroffen, der mehrere Waggons mit Deportierten nach dem Verschiebe­bahnhof Szob an der sowjetischen Grenze gebracht hatte. Es gelang ihm, am

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