Ein Führer zur Stadtgeschicte und zum Archiv (Székesfehérvár, 2003)

DIE GESCHICHTE DES SZÉKESFEHÉRVÁRER ARCHIVS

im Gasthof Schwarzer Adler. Wo sich später das Archiv befand, er­fahren wir von den Angaben der Bauarbeite des Rathauses. Das Rat­haus ist nicht nur das charakteristische Gebäude des Rathausplatzes (Theatrum Civitatis, Parade Platz), es ist sogar von besonderer Be­deutung, da es seit Jahrhunderten als der Sitz des Magistrates funktio­nierte. Das Rathaus ist das Symbol der Stadtverwaltung. Der Magi­strat hielt Ende des XVIII-ten Jahrhunderts, nach der Türkenherr­schaft seine Sitzungen hier ab. Solange das Rathaus unter Wiederher­stellung stand, tagten die Stadtväter im Haus des Richters. Ein paar Jahre später, in einer Übergangsperiode übte der Magistrat seine Tä­tigkeit in dem Caraffa-Haus auf dem Rathausplatz aus. Die erste, das Rathaus betreffende Angabenquelle ist die soge­nannte Konskription I., gemacht in den ersten Monaten nach der Verjagung der Türken. Laut dieser ist das Rathaus als Immobiliargut Nr. 122 bezeichnet (Pro domo Senatori). Bei den daneben liegenden Häusern und Grundstücken sind keine Inhaber aufgelistet. Nach den diesbetreffenden Angaben gab es grosse Diskussionen um das Eigen­tumsrecht des Gebäudes. Im Mai 1688 gab der Provisor Herdegen das Haus Nr. 122 an den Veszprémer Hauptkapitän, Ferenc Babocsay. Nächsten Monat hat er aber das Haus gleichzeitig auch den Székes­fehérvárer Bürgern zwecks Rathaus spendiert. Beide Parteien bestan­den auf das Eigentumsrecht aber das Neuschaffungskomitee ent­schied sich für die Bürgerschaft (sie protestierten stark). Der Haupt­kapitän protestierte sogar noch am 23-sten Juli 1 688 gegen die Ent­scheidung. Die Streitigkeit endete aber noch lange nicht, da sich die Bürger 1690 an obere Rechtsorgane gewandt haben um das Rathaus zurückzubekommen. Durch diese Rechtsstreitigkeit kann man an­nehmen, daß es um das ruinierte Gebäude aus den Türkenzeiten ging. Die Wiederherstellungsarbeite begannen in den 1690-er Jahren. Die Beamtenneuwahl von 27-sten Mai 1 693 wurde bereits in diesem Ge­bäude (Domus senatoria) abgehalten aber man war mit den Erneue­rungsarbeitcn noch nicht fertig. Das Richteramt und die zwei Notare der Kanzlei 2 zogen für eine kürzere Periode ins Gasthaus Schwarzer Adler um. Die Renovierung des Gebäudes setzte sich auch in dem nächsten Jahrzehnt fort, 1 729 wurde hier sogar das Archiv untergebracht. Um die Akten in Sicherheit zu haben, wurde am Korridor ein Eisengitter

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