Császár István - Soós Viktor Attila: Der ungarische Tarsitius. Das Leben und Martyrium von János Brenner, 1931-1957 (Szombathely, 2003)
Skizze über die Verfolgung der katholischen Kirche in Ungarn (1945-1957)
László Brenner: „Nach seinem Tod verging fast ein Tag, als ich es erfuhr. Damals war ich Kaplan im Dom zu Győr. Am Abend kam unser Herr Spiritual in mein Zimmer und sagte: Seien Sie, bitte, stark, János erlitt einen schweren Unfall.' János hieß bei uns Jancsi, so dachte ich in dem ersten Augenblick an einen anderen. Aber die genaue Erklärung kam dann: 'Lebensgefährlich? Ist er etwa schon gestorben?' -fragte ich erschrocken. Unser Spiritual nickte und sagte: Er ist gestorben.' 'Wie? Woran? Warum?' - aber er konnte mir keine Antwort geben. Die Lehrer im Seminar beschlossen gemeinsam, mich sofort nach Hause zu schicken. 'Zu Weihnachten übernehmen wir Ihren Dienst, Sie können erst nach dem Weihnachtsfest wiederkommen.' Dies war eine der dunkelsten Nächte meines Lebens. Im Zug wurden mir natürlich die Aufforderungen zur Legitimierung, wie es damals üblich war, nicht erspart. Der auffordernde Soldat wusste schon um die Sache, aber er konnte nicht sagen, was geschehen war. Beim Morgengrauen traf ich bei meinen Eltern ein. Mein Vater empfing mich. Meine erste Frage war: 'Ein dummer Unfall?' 'Nein, - antwortete er - er wurde getötet.' Ehrlich gesagt, es war, als ob mir ein kleinerer Stein vom Herzen gefallen wäre. Wenn er schon sterben musste, ist es viel tröstlicher, dass er für den Herrgott starb als beim Motorradfahren. “ József Brenner: „Anfang November 1957 kam ich als Kaplan nach Lenti. Am Montag, dem 16. Dezember, putzte ich gerade mit meinem Mitkaplan das Taufbecken in der Kirche. Da lief ein Junge auf mich mit der Nachricht zu, es wäre ein Telegramm aus Szombathely gekommen. Ich ging ins Pfarrhaus, machte es auf und las: „Komm nach Hause, Jancsi ist plötzlich gestorben. “ Ich konnte mir nicht vorstellen, was ihm passiert war. Zuerst dachte ich, bestimmt ein Motorradunfall. Nachher ging ich zur Post, um Kontakt mit Szombathely aufzunehmen, was damals ziemlich schwierig war, denn es gab ja kein Telefon. Die Postbeamten wussten schon, was los war, und von ihnen erfuhr ich, dass mein Bruder getötet worden war. “ 71